https://www.faz.net/-gr5-8z8ui

„Paddington“-Erfinder gestorben : Er kümmerte sich um einen kleinen Bären

  • Aktualisiert am

Gentlemen unter sich: Nach seiner Ernennung zum Officer of the Order of the British Empire gibt Michael Bond 1997 vor dem Buckingham Palace die Medaille an Paddington weiter. Bild: Picture-Alliance

Ein Bär aus dem dunkelsten Peru hat ihn berühmt gemacht. Auch mit über neunzig dachte sich Michael Bond neue Geschichten über seinen Paddington aus. Mit ihm ist einer der berühmtesten Kinderbuchautoren der Welt gestorben.

          2 Min.

          Der englische Kinderbuchautor Michael Bond ist tot. Der Schöpfer der berühmten Figur des kleinen Bären Paddington starb am Dienstag nach kurzer Krankheit im Alter von 91 Jahren. Das gab Harper Collins, der englische Verlag des Schriftstellers, an diesem Mittwoch bekannt.

          Verlagschef Charlie Redmayne sagte: „Michael Bond war einer der größten Kinderbuchautoren, und wir alle im Verlag haben ein riesiges Glück gehabt, ihn veröffentlicht und ihn gekannt zu haben. Er war ein wundervoller Mensch und hinterlässt eines der größten literarischen Werke unserer Zeit.“

          Michael Bond wurde am 13. Januar 1926 in Newbury, England, als Sohn eines Beamten geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Reading, wo der Junge ohne Geschwister aufwuchs. Als er mit 14 Jahren die örtliche katholische Schule Presentation College verließ, bescheinigten ihm seine Lehrer im Zeugnis, „unter einem verdrehten Sinn für Humor zu leiden“. Nach einem Jahr als Bürobote begann er eine Ausbildung bei der BBC, wo er nach dem Krieg als Kameramann arbeitete. Gleichzeitig begann er zu schreiben. Seine erste Kurzgeschichte konnte er an das Magazin „London Opinion“ verkaufen, weitere Kurzgeschichten und Hörspiele fürs Radio folgten. 1958 erschien sein erstes Buch, „A Bear Called Paddington“ – in deutscher Übersetzung „Ein Bär mit Namen Paddington“ – und machte ihn weltberühmt. Die Fortsetzungen waren so erfolgreich, dass Bond 1965 seine Arbeit bei der BBC aufgab und sich seitdem ganz der Schriftstellerei widmet.

          Erst im April ein neues Werk

          Die Idee zu „A Bear Called Paddington“ kam Bond, nachdem er seiner Frau zu Weihnachten einen Spielzeugbären geschenkt hatte, den er – da sie nahe des Londoner Bahnhofs Paddington Station lebten – auf den Namen Paddington taufte. Er schrieb einige Geschichten über den Bären, als Fingerübung, ohne die Intention, diese zu veröffentlichen, und ohne dabei bewusst an Kinder als Zielgruppe zu denken. Nach zehn Tagen hatte er die ersten acht Geschichten geschrieben, die er, ermutigt von seinem Agenten, nun doch bei einem Verlag einreichte. Die inzwischen rund 150 „Paddington“-Bücher – darunter auch Lehrbücher für Kinder im Vorschulalter – haben sich weltweit in über 35 Millionen Exemplaren verkauft. In über vierzig Sprachen übersetzt, gelten sie als Klassiker der Kinderliteratur, für die sich auch die Erwachsenen begeistern.

          Der Autor arbeitete kontinuierlich an der Serie weiter. Erst im April kam der Band „Paddington's Finest Hours“ auf den Markt. Die verfilmten Zeichentrickfassungen laufen als Fernsehserien in vielen Ländern, Bond steuerte das Drehbuch dazu bei. Unter der Mitsprache von Bond verfilmte Paul King 2014 den Klassiker fürs Kino. Eine Fortsetzung ist noch für dieses Jahr angekündigt.

          Meerschweinchen und Hobbydetektiv

          Paddington, den kleinen Bären mit dem großen Gerechtigkeitssinn aus dem finsteren Peru, mit dem Dufflecoat und dem Talent, von einem Fettnäpfchen ins andere zu stolpern, formte der Autor nach dem Vorbild des Vaters. „Viele glauben, Paddington habe das von mir. Aber mein Vater war ein sehr freundlicher, sehr höflicher Mann“, erklärte Bond einmal. Seit dem Jahr 2000 gibt es am Bahnhof Paddington ein Denkmal des berühmten Bären aus Bronze, das sich als feste Sehenswürdigkeit für Touristen entwickelte. Die Figur wirbt in Großbritannien inzwischen auch für Marmelade und Kekse.

          Zu einer zweiten, ebenfalls erfolgreichen Kinderbuchserie „Olga da Polga“ wurde Michael Bond durch das Meerschweinchen der Familie gleichen Namens inspiriert. Der Kinderbuchautor, dessen Gesamtwerk etwa 200 Bücher umfasst, schreibt auch Kriminalerzählungen für Erwachsene. Sein französischer Serienheld Monsieur Pamplemousse ist Gastrokritiker und Hobbydetektiv. Über Paris, wohin Bond regelmäßig reist, hat er 1987 einen Reiseführer veröffentlicht. Seine Autobiographie „Bears and Forebears“ erschien 1996. Für seine Verdienste um die Kinderliteratur wurde Bond im Jahr darauf zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt. 2015 folgte der Commander of the Order of the British Empire (CBE).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Autor: Martin Benninghoff

          F.A.Z.-Newsletter : Was bringt der Lockdown-Gipfel?

          Deutschlands sechzehn Ministerpräsidenten suchen einen Konsens über Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung. Es ist nicht der einzige Showdown in der Hauptstadt. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Newsletter.
          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.