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Marie Kondos Bilderbuch : Halbes Leben

Eine Idee, viele Darreichungsformen: Marie Kondo bei der Präsentation von Kartons, die beim Ordnunghalten helfen sollen Bild: Picture-Alliance

Für Erwachsene hat Marie Kondo in Büchern ihre weltberühmte Methode erklärt, Ordnung ins Leben zu bringen, für Twens in einem Manga und für Netflix-Fans in einer Serie. Jetzt nimmt sie Kinder ins Visier.

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          Biber, Dachse, Mäuse, Maulwürfe: Was für Tiere wurden in Bilderbüchern nicht schon ins Rennen geschickt, um jungen Lesern – oder den jungen Zuhörern elterlicher Vorleser – ein Thema nahezubringen, zu dem sie offenbar von Natur aus keine rechte Nähe aufbauen wollen. Kaum vorstellbar, dass sich ein solches Buch zur bevorzugten Gutenachtlektüre mausern könnte – bei Kindern nicht, weil der Zustand der Ordnung bestenfalls Ausgangspunkt für etwas Neues ist, bei Eltern nicht, weil aufs Ende des Vorlesens idealerweise das Umsetzen, das Aufräumen folgt und eher nicht der Gutenachtkuss. Schwer vorstellbar, dass ein solches Buch glücklich macht.

          Das allerdings wäre bei Marie Kondo das Kriterium dafür, es zu behalten. Die japanische Königin des Aufräumens kann sich wohl gar nicht vorstellen, dass eine Bibliothek im Ganzen ein beglückender Anblick sein kann. Jeden Einzelfall gilt es ihrer in Ratgebern, einem Manga und einer Netflix-Serie verbreiteten Lehre nach zu prüfen.

          Damit die Zapfen nicht überall rumfliegen: Marie Kondos „Kiki & Jax räumen auf“. Aus dem Englischen von Rusalka Reh, illustriert von Salina Yoon. Rororo Rotfuchs, Hamburg 2019. 40 S., geb., 10,- €. Ab 4 J.

          Jetzt hat Marie Kondo ihre Auswahl an Überzeugungsschriften um ein Bilderbuch ergänzt und an Eichhörnchen und Eule ihr Exempel statuiert. „Kiki & Jax räumen auf“, unlängst bei Rowohlt Rotfuchs veröffentlicht, erzählt vier Jahre alten Kindern die traurige Geschichte einer Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird, weil Kiki weder Ball noch Badeanzug finden, also nicht mitkommen kann zum Spielen – und Jax betrübt nach Hause geht. Wie die Eule es schafft, das Eichhörnchen vom Wert des Aufräumens zu überzeugen, ist zu langweilig, um hier verraten zu werden.

          Warum die beiden Freunde so engstirnig sind, dass sie lieber unglücklich getrennter Wege gehen, statt mit alldem zu spielen, was sie bei Kiki zu Hause einfach finden könnten, bleibt das Geheimnis der Autorin ebenso wie der Umstand, dass sich die beiden überhaupt aufs Drinnenspielen verlegen, wo sie doch erst einmal aufräumen müssen. Jedenfalls sieht es im Nu auch bei Kiki aus wie sonst gerade noch in Werken wie Dick Brunas lakonischer „Miffy“-Serie, in der das weiße Kaninchen sogar in seiner Mimik strengste Ordnung hält.

          In klassischen Bilderbüchern wie von Astrid Lindgren, Sven Nordqvist oder Janosch indes schaut hinter jedem Sessel, aus jeder Kiste, unter jedem Bett etwas Interessantes hervor. Welche die Glücksbilderbücher der Kindheit sind, braucht man nicht zu fragen.

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