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Fünfter „Rico und Oskar“-Band : Sein Herz tat einen Sprung

„So einen bescheuerten Freund brauch ich nicht!“: In „Rico, Oskar und das Mistverständnis“ gibt es Streit. Bild: Peter Schössow / Carlsen Verlag

Ein Mistverständnis von Format: Im fünften Teil der Abenteuer von Rico und Oskar trennen sich die Wege der Freunde. Auch literarisch eine Herausforderung für Andreas Steinhöfel.

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          Man könnte „Rico, Oskar und das Mistverständnis“ einen großen Kinderroman über die Freundschaft nennen, aber welches der vier Vorgängerbücher, die Andreas Steinhöfel seit zwölf Jahren über das ungleiche Paar veröffentlicht hat, wäre das nicht? Nach den ersten Schwärmereien, die Rico – nach Selbstauskunft tiefbegabt und nach Überzeugung aller seiner Leser ein großartiger Kerl mit dem Herz am rechten Fleck, mit feinem Witz und einigem Erzähltalent ausgestattet – über Sarah, die Pflastermalerin aus der Spielplatz-Gang, notiert, hätte man sich schon auf ein Buch über das erste Verknalltsein freuen können. Aber dann bleibt das, was die beiden verbindet, doch ein feiner, liebevoller Beiklang. Ein Buch über Schuld, Scham und Versöhnung? Das trifft zweifelsohne zu, aber es klänge so schwer, dass es der Leichtigkeit nicht gerecht würde, mit der Rico selbst von Gefühlen erzählen kann, die bei vielen anderen im Kopf ein Durcheinander machten wie die Kugeln in der Bingotrommel.

          Doch der Reihe nach: An einem Herbstferientag wollen sich Rico und Oskar mit den sechs Freunden treffen, die sie im Vorjahressommer - und im vierten Teil der Reihe - auf einem verwunschenen Kreuzberger Hinterhofspielplatz kennengelernt hatten. Doch Rico findet den ebenso hochbegabten wie neunmalklugen Nachbarsjungen unten an der Haustreppe liegen. Gebrochen sei wohl nichts, sagt Oskar ihm, um sich erst einmal ausgiebig umsorgen zu lassen. Schließlich bricht Rico auf – ohne Oskar und zu spät, um Sarah noch wie versprochen abzuholen. Und so spät, dass er nur noch mitansehen kann, wie „ein Angebertyp“ mit zwei Experten das Spielplatzgrundstück ausmisst, während eine hochmütige ältere Dame den Kindern erklärt, dass ihr das Grundstück gehört und was bald darauf gebaut werden wird.

          So klar die Mission Spielplatzrettung im fünften „Rico, Oskar“-Band wirkt, so verschlungen und immer wieder aussichtslos sind die Wege, auf denen die Kinder ihr Ziel zu erreichen versuchen. Als Rico und Oskar endlich herausgefunden haben, wer diese ältere Dame überhaupt ist und wo sie wohnt, und ihr Rico mit Sarah statt mit Oskar einen Besuch abstattet, werden die beiden vor versammeltem Kaffeekränzchen eiskalt abserviert. Dann steckt einer der Gäste den Kindern noch seine Adresse zu, er verspricht, ihnen am nächsten Tag vielleicht doch weiterhelfen zu können, erzählt ihnen dann von dem Freundeskreis, der sich zusammen mit Magda Pommer, der heutigen Besitzerin, ein paar Generationen vor ihnen auf diesem Spielplatz getroffen hat, und schreibt ihnen eine Telefonnummer auf, unter der sie womöglich weitere Hilfe bekommen. Doch dann legt die Frau am anderen Ende der Leitung einfach auf. Und die Bemühungen der Kinder sind ein zweites Mal an ihr augenscheinliches Ende gekommen.

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