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Paul Maar: „Das Sams und der blaue Drache“. Roman. Oetinger Verlag, Hamburg 2020. 194 S., geb., 13,– €. Ab 7 J. Bild: Verlag Friedrich Oetinger GmbH

Neues Sams-Buch von Paul Maar : Späte Wünsche

Das kommt eben dabei heraus, wenn man verbotenerweise mit einer Wunschmaschine spielt: In seiner neuesten Geschichte schenkt Paul Maar seinem Sams und seinen Lesern einen blauen Drachen.

          2 Min.

          „Nächtliche Nudeln kannst du vergessen, / besser ist’s, nachmittags Nudeln zu essen“, dichtet das Sams. Wenn es um das Sams geht, ist Essen allerdings zu jeder Tageszeit eine Option. Vor allem wenn es um Würstchen mit Senf geht, seine Leibspeise. Daran hat sich nichts geändert. Herr Mon hingegen, der Freund der Tiere, ist vollends zum Vegetarier geworden und passt damit bestens in die Zeit. „Kann man denn Tiere mögen wie ich und dann ihren Schinken essen? Nein“, sagt Herr Mon, der neben dem Papagei Herr Kules mittlerweile einen ganzen Zoo in seinem Hintergarten besitzt. Und am Ende dieser neuen Geschichte sogar einen blauen Drachen, jedenfalls für kurze Zeit.

          Eva-Maria Magel
          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer weiß, ob Ralfer, der blaue Drache, im Lauf der nächsten Jahre nicht doch zurückkehren wird in Mons Zoo? Die jüngste Sams-Geschichte jedenfalls endet mit der Hoffnung auf Wiederkehr. Und Paul Maar ist schließlich seit geraumer Zeit dabei, seinen überaus erfolgreichen Figuren weitere Geschichten zu zeichnen und zu dichten. Diesmal sind sogar die Kapitelüberschriften zweizeilige Reime, ganz zu schweigen von den traditionell gereimten Bemerkungen des Sams.

          Herr Mon, der immer ein bisschen aussieht wie sein Erfinder Paul Maar, war schon am Anfang aller Sams-Geschichten dafür zuständig, aus dem Montag einen Mon-Tag zu machen. Und folglich ist er mitverantwortlich, dass sein bester Freund, Herr Taschenbier, für das Sams zu Papa Taschenbier werden konnte. Das ist jetzt 47 Jahre und mehr als fünf Millionen verkaufte Bände her: 1973 ist „Eine Woche voller Samstage“ erschienen. In großen Abständen wuchs das Sams-Universum an mit Haupt- und Nebenprodukten, unterdessen wurde aus dem schüchternen Eigenbrötler Taschenbier erst ein Frischverliebter, dann ein Familienvater, später ein älterer Herr, dessen Altersunfug ihm selbst schon etwas Sams-haftes verlieh.

          Das war 2011, als mit „Sams im Glück“ eine Art Nachzügler erschien. Nach drei weiteren ist aber soeben der zehnte Band erschienen, und „Das Sams und der blaue Drache“ zwängt sich, wie schon „Ein Sams zu viel“ (2015) und „Das Sams feiert Weihnachten“ (2017) einfach irgendwo in die Handlungsstränge der ersten beiden Bände, eine „Was-wäre-wenn-Geschichte“, wie Maar im Vorwort schreibt.

          Was also wäre, wenn die Wunschmaschine nicht sofort kaputtgegangen wäre? Und stattdessen ein blauer Drache herbeigezaubert worden wäre, der erst kein R und dann sehr viele davon sprechen kann, weshalb das Sams ihn Ralfer nennt?

          Als Franke weiß Paul Maar, 1937 in Schweinfurt geboren, nicht nur um die besondere Bedeutung des R und auch darum, was in der dialektalen Umgangssprache ein fehlender Buchstabe ausmachen kann. Aus diesem Witz wird Ralfer geboren. Denn das Sams, das natürlich verbotenerweise in Taschenbiers Abwesenheit mit der Wunschmaschine spielt, wünscht sich einen Drachen, wie ihn die Kinder auf der Wiese steigen lassen, aber die Maschine versteht „ein Drache“.

          Angenehm traditionell, aber nicht altbacken

          Aus diesem Unterschied schlägt Maar, der immer zugleich Erzähler, bildender Künstler und ein Sprachphilosoph für junge Leser ist, seine Funken. Denn Ralfer, der blaue Drache, wird von Herrn Mon als Glücksdrache identifiziert, und in der Tat hat sogar die grantige Frau Rotkohl zeitweise Glück. Herr Mon, Herr Taschenbier und das Sams haben allen Abenteuern zum Trotz ohnehin immer Glück, denn sie haben einander, gute Ideen und bei allem Chaos, das das Sams anrichtet, auch immer Spaß.

          Den haben die Leser auch, mit einer Geschichte, die Kindern von etwa sechs Jahren an in den lustigen Szenen auch eine reiche Sprache bietet und Sams-typische Wortspiele, die den Horizont ungemein erweitern. So ist der neue Sams-Band auf angenehme Weise traditionell, aber nicht altbacken – mittlerweile sind beim Sams sogar schnurlose Telefone angekommen. Vor allem ist der Band nicht nur sprachlich farbig: Maar sorgt als sein eigener Illustrator mit schönen Kapitel-Vignetten und spielerisch über die Seiten gestreuten Bildern für Abwechslung, vor allem für junge Selbstleser. Jede Seitenzahl verbirgt sich in einem blauen Wunschpunkt: Wahrscheinlich wünscht sich die Fangemeinde Band elf.

          Paul Maar: „Das Sams und der blaue Drache“. Roman. Oetinger Verlag, Hamburg 2020. 194 S., geb., 13,– €. Ab 7 J.

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