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Kinderbuch : O mein Gott, Tom!!!

Tom malt. Aber was? Bild: Peter Hammer Verlag

Wenn ein Junge ein Bild malt, und alle Erzieher sind entsetzt, dann muss etwas passiert sein - oder? Isabel Pins Bilderbuch erzählt von hysterischen Erwachsenen und unanfechtbaren Kindern.

          Moderner geht es vielleicht wirklich nicht: ein schwarzes Quadrat, bloß das, mehr nicht. Ganz und gar unbescheiden jedenfalls sprach Kasimir Malewitsch, als er sein Bild 1915 auf der „Letzten futuristischen Ausstellung 0.10“ in Petrograd präsentierte, kurzerhand von einer „Ikone der neuen Kunst“. Was sie hervorrufen sollte, gab er dem Betrachter bei gleicher Gelegenheit auch mit auf den Weg: die Empfindung der Gegenstandslosigkeit und Leere. Genaugenommen war damit das Ende der Malerei eingeläutet. Und der Beginn einer erregt geführten Debatte.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Im kommenden März wird die Kunsthalle Hamburg dieser Inkunabel des Suprematismus eine Ausstellung widmen, in der ihre geistes- und religionswissenschaftliche Herkunft aus der Ikonenmalerei ebenso beleuchtet werden soll wie ihr Einfluss auf die russische Avantgarde. Befürworter und Gegner des Bildes kommen zu Wort. Nur Isabel Pin wird vermutlich fehlen. Ihr Buch „Als alle früher nach Hause kamen“ ist der jüngste Beitrag zur Diskussion um ein rätselhaftes Kunstwerk. Es erzählt zuallererst vom Unverständnis.

          Ganz und gar Künstler

          „Mittwochs ist es prima, dann malen wir“, beginnt ihr Bilderbuch und zeigt auf gleicher Seite einen kleinen Bub mit Farbkasten und Pinsel an einem Tisch im Klassenzimmer. Was er malt, sehen wir nicht - und werden es nicht sehen bis zum Schluss. Stattdessen entsetzte Gesichter angesichts des Werks. Die Lehrerin, die Schulleiterin, die Mutter, der Vater, die Oma: Einer nach dem anderen eilt herbei, um zu sehen, wie schlimm es um den Jungen bestellt ist. Eine ruft: „O mein Gott, Tom!!!“ Und am Ende kommt sogar der Arzt auf Hausbesuch, misst Fieber und nickt ernst mit dem Kopf. Es herrscht Aufregung. Und man begreift, wie viel Wirbel Malewitsch verursacht haben muss. Nur Tom, der kleine Junge, und offensichtlich ganz und gar Künstler, versteht den Trubel nicht und missversteht den Menschenauflauf als Geburtstagsfeier, weshalb er augenblicklich beginnt, mit Omas Hilfe einen Kuchen zu backen.

          Es ist ein niedliches Durcheinander in dieser Familie, rührend gemalt mit Sinn für Details und einem souveränen Umgang mit großen, leeren Räumen, wie man ihn etwa von de Chirico kennt. So schleicht sich gleich der nächste Bezug zur Kunstgeschichte ins Buch. Und wer genau hinschaut, wird in den Batman-Figuren die Pop-Art und in einer Blumenvase samt Buntstiften Spuren von David Hockney finden. Dies alles gleichsam nebenher in Szene gesetzt.

          Nur die Pointe kommt neunzig Jahre nach Malewitsch arg dürftig daher: das schwarze Viereck, das Tom auf sein Blatt gepinselt hat. Seine Erklärung für das Unverständnis der Lehrer und Eltern ist dafür umso überzeugender: „Ich glaube, sie hatten nicht richtig kapiert, dass es ein Quadrat war.“ Das könnte man im kommenden März glatt über den Eingang der Hamburger Kunsthalle schreiben.

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