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Kim Franks Jugendroman „27“ : Freischwimmer im Körpersaft

  • -Aktualisiert am

Bild: Rowohlt

Als Sänger war er mit der Gruppe Echt in ganz jungen Jahren ein Versprechen. Dann kamen ein Kinofilm und eine Soloplatte. Jetzt hat Kim Frank seinen ersten Jugendroman geschrieben. Etwas weniger Körperflüssigkeiten hätten es dabei auch getan. Und etwas weniger Fehler.

          Kim Frank war wohl eines der erstaunlichsten Talente der jüngeren deutschen Popmusik. Mit seiner Gruppe Echt spielte der Sänger 1999, im Alter von siebzehn Jahren, das Album „Freischwimmer“ ein, das neben allerlei gekonntem Pop und Soft-Punk das Lied „Du trägst keine Liebe in dir“ enthielt, das in seiner Interpretation und mit dem Arrangement auch von Christian Anders hätte sein können, wie Echt überhaupt dem klassischen Siebziger-Schlager nicht ganz fernstanden.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Indes war die Band dann doch nicht mehr als ein Versprechen. Nach drei Platten löste sie sich auf; Kim Frank gab quasi den deutschen Ricky Nelson, spielte anstandslos in dem Leander-Haußmann-Film „NVA“ mit und machte dann eine Soloplatte, auf der seine mit Melancholie durchtränkte Unbekümmertheit und Direktheit trotz der nun doch schon etwas enttäuschend verlaufenden Karriere noch nicht nennenswert gelitten hatte.

          Nun gibt er den Sven Regener und wartet mit einem Roman auf. Und da muss man leider sagen: So etwas sollte man echten Kerlen überlassen. Mit „27“ wagt er sich in den Karpfenteich, der von so popaffinen Hechten wie Nick Hornby oder, aus hiesigen Landen, Benjamin von Stuckrad-Barre schon vor zehn Jahren leer gefressen wurde, so dass die Geschichte um einen modernen, leicht verwahrlosten Taugenichts, der ins Musikgeschäft stolpert, nun doch etwas abgestanden wirkt.

          Weniger Körperflüssigkeiten, weniger Fehler

          Mika ist achtzehn und hat sich den Floh ins Ohr gesetzt, dass er mit 27 Jahren sterben wird - wie viele Große der Rockgeschichte: der Bluesmusiker Robert Johnson, Brian Jones, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Janis Joplin und Kurt Cobain (die Liste füllt anderthalb Seiten). Die an sich reizvolle Idee, die eigene, in diesem Fall nachgeholte Geschmackssozialisation einmal nicht anhand von Platten und Bestenlisten, sondern am in der Tat erstaunlichen Zufall dieser Lebensspanne aufzubereiten, wird allerdings verdorben durch das Missverhältnis zwischen Form und Inhalt: Die testosteronhaltigen, bisweilen auch einfach nur ranzigen Angeberanekdoten um den so lebensgierigen wie todesängstlichen Helden, aus dem plötzlich ein Popidol wird, werden mitgeteilt in einer Sprache, deren seminaristenhafte Ungelenkheit komisch wirkt („Diese Ängste sind nicht rational, aber für den, der sie hat, nicht mehr wegzudiskutieren.“)

          Es hätten auch ein paar Nahtoderfahrungen weniger sein dürfen; man hat es ja schon häufiger gehört, dass das Showgeschäft eine aufreibende Sache ist. Und was soll man schließlich von einem Rock-Roman halten, in dem ein gewisser „John Bonhem“ (sic) und ein gewisser „Ray Menzerick“ (sic) erwähnt werden? Das Lektorat hätte nicht nur etwas von der vielen Körperflüssigkeit, sondern auch Fehler aufwischen müssen, die auch nicht wegzudiskutieren sind.

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