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Karen Duves Weihnachten : Testfest für die ganze Familie

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Zur Krippe herkommen: die Autorin Karen Duve dieser Tage in Hamburg Bild: F.A.Z.-Foto Matthias Lüdecke

Die Schriftstellerin Karen Duve ist eine Weihnachtsstimmungsexpertin für den Normalseelenhaushalt. Liegt es da nicht nahe, sie kurz vor Weihnachten zu fragen, wie sie selbst es mit Weihnachten hält? Es liegt nahe.

          Karen Duve hat keinen Weihnachtsbaum daheim stehen, aber einen Adventskranz mit vier Kerzen. Vielleicht braucht man, wenn man zu Weihnachten allein ist, keinen Weihnachtsbaum, sondern nur einen Adventskranz. Sie mag das Alleinsein zu Weihnachten. Alles ist stiller als sonst, Ruhe kehrt ein, das Telefon klingelt nicht mehr, nur der Fernseher mit dem in ihren Augen guten weihnachtlichen Fernsehprogramm läuft: unheilige Nacht.

          Sie hat vor drei Jahren ein Kinderbuch geschrieben, das heißt „Weihnachten mit Thomas Müller“, wobei Thomas Müller ein Bär ist, der bei der Familie Wortmann in Hamburg lebt, genaugenommen dem Sohn gehört. Diese nüchterne Weihnachtsgeschichte ohne Engel wurde rund fünfzigtausendmal verkauft. Nun ist eine Fortsetzung dieses Kinderbuches herausgekommen, gerade rechtzeitig zum Fest, sie heißt „Thomas Müller und der Zirkusbär“ und spielt nicht am 24. Dezember, sondern am zweiten Weihnachtsfeiertag, der auch ein ganz normaler Tag sein könnte.

          Frottee zu Fräuleinwunderzeiten

          Bald ist Weihnachten, und die Herren haben noch ein wenig Zeit, um in die Geschäfte für die besonderen Damenteile zu rennen und dort für ihre Damen Teile zu kaufen, die ihre Damen dann, wenn es Nacht wird, anziehen sollen, damit die Herren sich an ihnen, die in den wundersamen Teilen stecken, sattsehen können. Das erwähne ich nur deswegen, weil die Schriftstellerin Karen Duve, in einem unverfänglich gestreiften Frottee-Bademantel steckend, sich einmal aufs Sofa gelegt und dort hat ablichten lassen, als von einem Literaturkritiker im „Spiegel“ an einem ansonsten ereignislosen Tag das sogenannte Fräuleinwunder der deutschen Literatur ausgerufen worden ist.

          Der Literaturkritiker hatte sich, und zwar war das im Dezember 1999 gewesen, damit auch in der Vorweihnachtszeit, darüber gewundert, daß junge deutsche Frauen schreiben können - offenbar hatte er nicht damit gerechnet - und daß diese schreibenden jungen Frauen mit ihren Romanen und Erzählungen wie aus einem Guß dastanden. Zu ihnen gehörten vor allem Judith Hermann, Jenny Erpenbeck, Julia Franck und eben auch Karen Duve, die 1961 in Hamburg geboren und zur Zeit des Fräuleinwunders schon achtunddreißig Jahre alt gewesen ist. Auf Wunder muß man warten lernen.

          Weihnachten: unsentimental und allein

          Ich habe Karen Duve nicht nach dem Bademantelbild gefragt, weil das sieben Jahre her ist und weil sich auch keiner aufregt, wenn die zweiundsiebzigjährige Schauspielerin Sophia Loren sich für den neuen Pirelli-Kalender mit entsprechenden Teilen bekleidet in die Bettlaken kuschelt. Da sagt keiner etwas dagegen, worüber man sich wiederum nicht mehr wundern muß, denn wahrscheinlich leidet Sophia Loren unter dem Forty-Something-Syndrom.

          Karen Duve wird Weihnachten alleine daheim verbringen. Für viele Menschen ist die Vorstellung, an Weihnachten alleine daheim zu sein, ein Horror. Sie stellen sich all die Familien vor, die Weihnachten zusammen feiern, und sacken bei dem Gedanken zusammen, daß sie allein sein werden. Karen Duve ist in Hinblick auf ihr Weihnachten guter Dinge. Man möchte diese fröhliche Feststandfestigkeit allen anderen wünschen. Karen Duve wird nicht sentimental.

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