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Jugendroman : Fünfzehn, schwer verwirrt

Ein Heldenquartett mit den Sorgen und Nöten der Fünfzehnjährigen: Ute Wegmanns Jugendroman Bild: dtv

In „Never alone“ hat Ute Wegmann die alters- und geschlechtsspezifischen Konfliktoptionen Fünfzehnjähriger auf ein Heldenquartett verteilt: im Hier und Jetzt, in unserer Lebenswelt, nebenan. Das reicht für einen starken Jugendroman.

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          Sie warten auf den ersten Sex, die erste Freundin, sie haben sich nicht immer unter Kontrolle, zuweilen eine zu große Klappe, zu viel Ärger und zu wenig Geld. Sie trinken mal ein Bier und stehen unversehens vor der Entscheidung, es auch mit illegalen Drogen zu versuchen. Sie müssen ihren Weg finden: zwischen dem eigenen Unabhängigkeitsbedürfnis und dem Gefühl, ohnedies unverstanden zu sein, auf der einen und den familiären, schulischen, gesellschaftlichen Bindungen auf der anderen Seite. So sind die Jungs mit fünfzehn, und so sind sie auch im Jugendroman „Never alone“, in dem die Autorin Ute Wegmann die alters- und geschlechtsspezifischen Konfliktoptionen auf ein Heldenquartett verteilt hat.

          Johann hat es am dicksten erwischt: Er hat wahllos zugeschlagen, nach einem Bier, nach einem verlorenen Fußballspiel, nachdem seine Freundin Schluss gemacht hat. Er wird zu sechzig Sozialstunden verdonnert, jobbt als Babysitter und wird von der Mutter des Kleinen verführt. Und lernt beim Trampen einen pensionierten Richter kennen, von dem er sich Dinge über das Leben sagen lässt, für die ihm sein Vater zu laut und der neue Freund der Mutter zu leise ist. Nick, der Zweite im Bunde, kommt aus bestem Hause, hat einen Halbgott in Weiß zum Vater, der ihn, wenn er denn mal da ist, mit seinen himmlischen Erwartungen drangsaliert und bei einem Autounfall stirbt. Der Sohn bleibt mit Kunstgeschichtsmutter und Cello spielender kleiner Schwester zurück. Marc hat in den Sommerferien ein ziemlich buntes Mädchen aus Amsterdam kennengelernt, schafft es mit Nicks Hilfe, in den Grachten das richtige Hausboot zu finden, und merkt schließlich, dass Frankys leichtfertige Art auch seine Grenzen überschreitet. Florian schließlich macht sich rar, hängt mit seltsamen Leuten herum und haut ab, „für länger, vielleicht für immer“. Die drei anderen finden ihn, bevor er sich vor einen Zug geschmissen oder von einer Brücke gestürzt hat. Und bevor seine Mutter richtig gemerkt hat, dass er weg ist.

          Flache Bälle mit einiger Wucht

          Auch ohne schicksalhafte Weltrettungsaufträge, ohne Todesschwadrone aus phantastischen Parallelwelten und ohne fatale, soziale oder psychische Unglaubwürdigkeiten, mit denen Bücher speziell für Jungs oftmals angereichert werden, haben die vier also einigen Ärger: im Hier und Jetzt, in unserer Lebenswelt, nebenan. Und das reicht: Ute Wegmann gelingt es, in ihrer Geschichte wie auch im Tonfall des Erzählens die Bälle flach zu halten und ihnen trotzdem einige Wucht zu geben. Das ist schon die erste große Stärke dieses Buches. Eine zweite liegt in der Leerstelle des Romans: Die Väter sind verschwunden, unerreichbar oder melden sich allenfalls zur fernmündlichen Gardinenpredigt. Sie fehlen, Ute Wegmann erzählt das ebenso beiläufig wie konsequent, auf die eine oder andere Art: als Reibungsfläche, als Orientierungshilfe, als Instanz.

          Am spannendsten aber ist, zumindest für den erwachsenen Leser, die Freundschaftsdynamik der vier Protagonisten: Sie kennen sich ewig, vertrauen einander, brauchen, stützen, retten sich - und setzen zugleich immer wieder durch ein falsches Wort oder eine falsche Tat diese Freundschaft aufs Spiel. „Hau bloß ab, ich brauch' dich.“ Auch das ist eine Spezialität dieses Alters.

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