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Kinderroman von Judith Rossell : Leiser Nachhall alter Kräfte

Judith Rossell: „Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert“. Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi. Mit Bildern von Nina Dulleck. Thienemann Verlag, Stuttgart 2018. 272 S., geb., 13,99 Euro. Ab 10 J. Bild: Thienemann

Man kommt nicht umhin, das Strickmuster bewährt zu nennen, dem Judith Rossells Kinderroman „Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert“ folgt. Das spricht nur in erstaunlich geringem Maße gegen das Buch.

          Ein aufgewecktes Waisenkind erhält einen unerwarteten Auftrag, dessen Dimension sich ihm erst nach und nach erschließt. Es entwindet sich den Fängen der unfreundlichen Verwandtschaft, bekommt es mit einem Bösewicht zu tun, der sich einem noch viel größeren Bösewicht andient, findet in sich ungeahnte Fähigkeiten und fragt sich schließlich, wer es ist: Man kommt nicht umhin, das Strickmuster bewährt zu nennen, dem Judith Rossells Kinderroman „Stella Montgomery und die bedauerliche Verwandlung des Mr Filbert“ folgt. Was nicht gegen das Strickmuster spricht. Und nur in erstaunlich geringem Maße gegen das Buch.

          Mit ihren drei verbiesterten Tanten ist Stella im Hotel Majestic auf einem hohen Felsen über dem Städtchen Withering-by-Sea gelandet. Hier gibt es ein schrecklich schmeckendes Heilwasser gegen die Unannehmlichkeiten des Alters, für die Kinder im Alter des Mädchens indes keinerlei Annehmlichkeiten, wenn man von dem schimmeligen Atlas einmal absieht, den Stella aus dem Müll geborgen hat und im Wintergarten versteckt, um ihn dort heimlich zu lesen, wenn ihre Tanten sie gerade einmal nicht in gutem Benehmen, Handarbeiten, Französisch und Klavierspielen unterrichten.

          Sie sieht, wie ein Hotelgast etwas in einem Blumentopf vergräbt und wie dieser arme Mr Filbert von einem eben erst eingetroffenen neuen Gast, einem unheimlichen Professor, malträtiert wird, um das Versteck zu verraten. Sie bringt das Päckchen an sich, verspricht noch, gut darauf aufzupassen, und ist schnell selbst diejenige, auf die der Professor es abgesehen hat.

          Ein so sorgfältiger wie liebevoller Blick

          Der Halunke tritt als Magier auf der Seebrücke unten am Meer auf, einige finstere Gesellen sind ihm zu Diensten, aber auch ein blasser Junge, der ihm weissagt, was er wissen will: wo zum Kuckuck dieses Fläschchen ist, das er Mr Filbert hatte abnehmen wollen, um seinen Inhalt freizusetzen und so endlich mit echtem Zauber aus alten Zeiten in Kontakt zu kommen, dessen Nachhall er auch in der Pferdekutschenwelt des Buchs nur noch leise hört.

          Stella wird entführt, kann fliehen, erhält Beistand von unerwarteter Seite, wird abermals überwältigt und verschleppt. In einer nur bei Ebbe zugänglichen Burgruine auf einer Insel kommt es zum Kampf, auf dem Damm, der zu ihr führt, zum Showdown, und am Ende des Buchs ahnt der junge Leser, dass Stellas bevorstehende Rückkehr zu den Tanten nicht das größte Abenteuer sein wird, das noch auf die junge Dame wartet.

          Es sind nicht die Strickmuster selbst, von denen nach Muster gestrickte Bücher leben. Auch Judith Rossells Kinderroman lebt nicht vom Plot mit seiner zunehmenden Schlagseite ins Magische, sondern von dem so sorgfältigen wie liebevollen Blick, mit dem die Autorin aus Australien die verschiedenen Szenen ihrer Geschichte betrachtet und beschreibt: den langsam verblassenden Prunk des Hotels, das quirlige Theater auf der Seebrücke, die meerumspülte Festung des Möchtegernmagiers. Tante Ernesta hätte dieses Buch bestimmt vulgär genannt - ein Urteil, von dem sie nur die „Französische Konversation für junge Damen“ ausnimmt, mit der sie ihre Nichte gerne quält. Unterhaltsam ist es durchaus.

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