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J.M. Barries „Peter Pan in Kensington Gardens“ : Zwischen zwei Welten

Bild: Verlagshaus Mescheryakov

Arthur Rackham zeigt, wo Peter Pan eigentlich zu Hause ist: J.M. Barries Buch „Peter Pan in Kensington Gardens“ endet nicht im Glück, sondern auf dem Friedhof.

          1 Min.

          Von Kindern, die nicht erwünscht sind, verstand James Matthew Barrie eine Menge, schon aus eigener Erfahrung. Seine Bühnen- und Romanfigur Peter Pan jedenfalls durchlebt die gesamte Ambivalenz, die damit verbunden ist, wenn Eltern ihren Kindern gegenüber nichts als Gleichgültigkeit empfinden: Er ist so einsam wie frei und wappnet sich gegenüber dem Verlust an Intimität mit einem Panzer, der ihn nicht nur das Dasein als einziges Abenteuer erleben lässt, sondern der ihn auch auf ewig in den Körper eines kleinen Jungen presst. Das abgelehnte Kind muss, Barries glücklich gefundenem Bild zufolge, ewig Kind bleiben.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Barries 1904 aufgeführtes Theaterstück um Peter Pan, das auf seinem Roman „Kleiner weißer Vogel“ beruht, bewahrt diese Ambivalenz und ebenso der Roman „Peter Pan in Kensington Gardens“, der eine komprimierte Fassung des Vorgängers darstellt. Jetzt ist er, gemeinsam mit den Illustrationen Arthur Rackhams, auf Deutsch erschienen. Nichts erinnert hier an die süßliche Disneyfilm-Version des Stoffes, und für die Kinder, die in diesem Buch ihren Eltern verlorengehen, gibt es kein Happy End, sondern nur einen Grabstein in Kensington Gardens. Rackham tut das Seine, den bekannten Park in einen äußerst unheimlichen Ort zu verwandeln, in dem Trost nicht zu haben ist. Schon deshalb möchte man seine Bilder kongenial nennen.

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