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: Heiligendamm, mon amour

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Futur II: Das Buch des schleswigschen Autorenehepaars Habeck und Paluch erzählt vom kommenden G-8-Gipfel. Eine Gruppe junger Leute macht sich dorthin auf, um gegen das Weltübel zu demonstrieren, das sie in den dort versammelten Politikern repräsentiert sehen. Unter ihnen Edda aus Föhr, aus deren ...

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          Futur II: Das Buch des schleswigschen Autorenehepaars Habeck und Paluch erzählt vom kommenden G-8-Gipfel. Eine Gruppe junger Leute macht sich dorthin auf, um gegen das Weltübel zu demonstrieren, das sie in den dort versammelten Politikern repräsentiert sehen. Unter ihnen Edda aus Föhr, aus deren Sicht die eine Hälfte des Geschehens geschildert wird; die andere trägt Jasper aus Amrum bei, ihr Schulfreund, der sie dort eigentlich nur wiedersehen wollte.

          Jugend im Widerstand gegen die Weltverwüstung, das sind: viele politische Phrasen, noch mehr philosophische Fragen über Gott, Liebe, Ich, Debatten über Antigone, über Freiheit und Seitensprünge. Die Autoren versammeln alle Motive, die man so haben kann, um inbrünstig rechthabend "denen da oben", aber auch den Konkurrenten ums Mädchen in den Weg zu treten. Die Protestreise ist ein Bildungserlebnis, das vom Räsonieren in Ernst umschlägt, weil beim Sturm der Demonstranten ein Mädchen aus der Gruppe von der Polizei erschossen wird, wobei die Polizisten insgesamt ganz sympathische Figuren sind. Am Ende ist der Gipfel geplatzt, die Liebenden sind beieinander, der Fanatismus in Politik wie Liebe bleibt widerlegt am Strand zurück, während das Paar in die Nacht hinaussegelt.

          Dazu passt, dass sich die Sprache des Buches ausgiebig beim kritischen Kitsch bedient: "Es gab dieses stille Einvernehmen zwischen uns, dieses Bejahen, das ohne Jasagen auskam." Und auch bei der Politikprosa, die engagierte Abiturienten oft im Griff hat: "Meine Generation bekannte sich zur Verantwortung und forderte sie ein von denen" oder "Ich wollte einfach nicht zu einer erbärmlichen Generation gehören, die eine große Koalition über sich bestimmen lässt, ohne dagegen anzugehen". Bloß nicht ja sagen, Verantwortung einfordern und kleine Koalitionen als politisches Diesseits des kapitalistischen Sündenpfuhls - wir hoffen, das sind keine Versatzstücke aus den Reden, die Autor Habeck als Vorsitzender der schleswig-holsteinischen Grünen halten muss, sondern Stilmittel, um die früh altklug gewordene Jugend zu charakterisieren.

          Soll man aber glauben, ein Junge, der soeben noch "fett" und "okay für mich" gesagt hat, sei zu einer Verteidigung der Monogamie mit Formulierungen wie der fähig, andernfalls nehme "der Grad der Verletzungen erheblich zu"? Erheblich. Hier sprechen Eltern, keine schlechten Eltern, rührende vielmehr, aber eben nicht Jugendliche. Insofern handelt es sich um klassische Erbauungsliteratur. Genau so hätten Erwachsene aus dem nachhaltigen Milieu ihre Kinder gern, so stellen sie sich deren Reifung vor. Warum nicht? Vielleicht, weil es, so geschildert, eine Jugend ist, die nur noch findet, was ihre Eltern für sie an Ichwerdungspfaden mit eingebauter Unsicherheitsphase schon ausgearbeitet haben.

          JÜRGEN KAUBE

          Robert Habeck, Andrea Paluch: "Unter dem Gully liegt das Meer". Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2007. 165 Seiten, geb., 13,90 [Euro]. Ab 14 J.

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