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„Die Geheimnisse von Troja“ von Wolfgang Korn : Nun wäre es Zeit für einen Trojanischen Frieden

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Bild: Boje

Seit Schliemann der Welt den „Schatz des Priamos“ präsentierte, wird der Hügel Hisarlik erforscht. In seinem von Klaus Ensikat illustrierten Buch „Die Geheimnisse von Troja“ zieht Wolfgang Korn Bilanz.

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          Was wir von Troja wissen, sagt Wolfgang Korn, seien „Märchen über Märchen“. Seine Formel spitzt zu, dass Homers unsere Kultur prägende „Ilias“ in den fast dreitausend Jahren nach ihrer Niederschrift zum undurchdringlichen Dickicht aus Fakten, Vermutungen, Illusionen und Ideologien angewachsen ist: Alexander eroberte ein Riesenreich im Glauben, ein neuer Achill zu sein, Roms Kaiser legitimierten ihre Macht und Willkür mit der angeblichen Abstammung von Trojas Helden, und die Generäle aller Fronten des Ersten Weltkriegs nutzten das Epos vom zehnjährigen Krieg als Stimulans.

          Als im Jahr 140 n. Chr. der griechische Historiker Pausanias ehrfürchtig Troja beschrieb, stand er in einer Stadt, die ihren achten Wiederaufbau erlebt hatte. Er aber sah wenigstens noch mächtige Bastionen. Als siebenhundert Jahre später Gelehrte an die Stätte kamen, waren nur noch einige schüttere Säulenstümpfe zu sehen, Reste der Bauten, die Griechen und Römer im Gedenken an das tausend Jahre zuvor untergegangene Troja errichtet hatten. Als Heinrich Schliemann, Trojas Wiederentdecker, zunächst achtlos an dem türkischen Hügel namens „Hisarlik“ vorbeiritt, konnte er wahrlich nicht ahnen, dass er dort den „Goldschatz des Priamos“entdecken würde.

          Am Anfang war eine Lüge

          Priamos, Trojas letzter König? So sagte es Homer. Und so behauptete es Schliemann. Realiter war der Schatz Besitz eines Herrschers, der Jahrhunderte zuvor regiert hatte. Das wollte Schliemann nicht wahrhaben, so wie er anfangs Hisarlik nicht wahrhaben wollte. Auch heute noch zeigt der Fernblick nur eine armselige sonnengedörrte Erhebung. Na gut, sagt Korn, nennen wir sie den „berühmtesten Schutthaufen der Welt“, den die Unesco 1998 zum Weltkulturerbe ernannte. Diese Desillusionierung ist nicht der einzige Rempler, den der Autor austeilt. Von Schliemann zum Beispiel, den die ARD 2007 als Idealisten feierte, der sein Vermögen drangab, um sein geliebtes Troja zu finden, heißt es: „Er begann seine Archäologiekarriere mit einer dreisten Lüge!“

          So kommentiert Korn die Tatsache, dass Schliemann die Erkenntnisse des Engländers Frank Calvert, der Hisarlik als Troja identifiziert hatte, als die seinen ausgab. Trotzdem werden Schliemanns Verdienste gewürdigt, die Hartnäckigkeit, mit der er grub, die Einsicht, mit der er den Spezialisten Wilhelm Dörpfeld zuzog, der herausfand, dass Troja aus sieben Stadtschichten besteht, die zwischen 3000 v. Chr. und 500 n. Chr. immer wieder zerstört und erneuert wurden.

          Wo sind Anmut, Nachdenklichkeit oder Trauer?

          Homers Troja - wenn es denn existierte - muss die sechste, um 1200 v. Chr. verbrannte Schicht gewesen sein. Dass wir heute Troja VI als eine zwar mächtige, die Meerenge der Dardanellen beherrschende, aber dem hethitischen Großreich tributpflichtige Stadt namens Wilusa kennen, ist Manfred Korfmann zu verdanken, der von 1988 bis 2005 dort erneut grub - und von Kollegen wegen seiner Thesen als Phantast diffamiert wurde.

          So rigoros wie Korn Schliemann aburteilt, so enthusiastisch lobt er Korfmann. Zu Recht. Denn der Ausnahmearchäologe förderte das Ende des Dardanellenkonflikts zwischen Russland und der Türkei, indem er die Tradition Trojas als grenzüberschreitendes kulturelles Bindeglied aufgriff: „Der Trojanische Krieg wurde zum Sinnbild aller sinnlosen Kriege - ein Trojanischer Frieden könnte Ost und West wieder zusammenführen.“

          Widersprüche nicht zu verschweigen, Romantizismen mit der verwirrenden oder tristen Realität zu konfrontieren ist das große Plus dieses Buchs. Doch es hat auch Mängel. Wo in der Ilias mit feiner Psychologie menschliche Dramen gezeichnet werden, sieht Korn alle Helden Homers als beutegierige und ehrsüchtige Raufbolde. Dieser Drastik entsprechen die Zeichnungen von Klaus Ensikat, die viel Tumbheit, Wut, Schweiß und Dreck kennen, aber keine Anmut, Nachdenklichkeit oder Trauer. Trotzdem: so kompakt und doch ausführlich hat lange niemand das trojanische Labyrinth aus Mythos und Realität geschildert. Eine lehrreiche, spannende Lektüre für Kinder und Erwachsene.

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