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Bilderbuch von Katrin Schärer : Und ewig lockt die rote Frucht

  • -Aktualisiert am

Kathrin Schärer: „Der Tod auf dem Apfelbaum“. Atlantis Verlag, Zürich 2015. 36 S., geb., 14,95 €. Ab 5 J. Bild: Atlantis

Die Schweizerin Kathrin Schärer ist eine grandiose Illustratorin. Jetzt hat sie eine eigene Geschichte bebildert. „Der Tod auf dem Apfelbaum“ erzählt von einem Fuchs, der sehr alt wird.

          Es gibt Bilderbücher für Kinder, Bilderbücher für Erwachsene und solche für alle. Letztere sind natürlich die besten, aber auch jene Bilderbücher, die dem Zielpublikum deutlich mehr Vergnügen bereiten als den Schenkern und/oder Vorlesern, erfüllen ihren Zweck. Am schwierigsten sind die Zwitter, die mit herrlichen Illustrationen junge Leser begeistern, aber eine Geschichte erzählen, mit der die ältere Generation der jungen vor allem etwas Wesentliches über das Leben mitteilen möchte. In neun von zehn Fällen geht es dabei um den Tod, der im Bilderbuch seit langem nur als freundliche, ja tröstliche Gestalt auftritt, wie etwa in Wolf Erlbruchs legendärem Werk „Ente, Tod und Tulpe“.

          Möglicherweise hatte Kathrin Schärer nicht nur ein altes Märchenmotiv, sondern genau dieses Buch im Sinn, als sie mit „Tod im Apfelbaum“ ihr eigenes Äquivalent schuf. Es geht um ein Fuchspärchen, das die Früchte des Apfelbaums vor seinem Bau zunehmend mit Vögeln, Hasen und Mäusen teilen muss, weil der Fuchs nicht mehr schnell und kräftig genug ist, um die Ernte gegen Diebe zu verteidigen. Da geht ihm ein Zauberwiesel in die Falle, das ihm gegen seine Freilassung die Erfüllung eines Wunschs verspricht. Der schlaue Fuchs wünscht sich, dass jeder, der seinen Apfelbaum besetzt, zur Strafe für immer daran kleben bleibt. Schon bald ist der Baum voller Vögel, Eichhörnchen, Würmer und Käfer, deren „Gezeter und Gefiepse für die alten Fuchsohren kaum auszuhalten“ sind. Der Fuchs lässt alle wieder laufen; fortan behelligen die Tiere seinen Baum nicht mehr. Doch eines Tages kommt sein Tod des Weges, der ihn mitnehmen will. Mit einer Finte setzt der Fuchs auch ihn im Klebebaum fest - und lebt glücklich und zufrieden viele Jahre lang weiter, bis er irgendwann merkt, dass seine Zeit vorüber ist. Er befreit den Tod, damit der ihn mitnehmen kann.

          Einmal davon abgesehen, dass der Tod nach Wahl nicht nur im Bilderbuch ein heikles Thema ist, sind Kathrin Schärers Illustrationen in der für sie typischen Mischung als Collage und Malerei einfach hinreißend. Der Apfellebensbaum im Zentrum, der ausdrucksstark alternde Fuchs und sein Tod als heller, einladend lächelnder Schemen sind von jener weichen Plastizität, die diese Künstlerin auszeichnet. Vielleicht liegt es an dieser warmen Lebensnähe, dass man dem Fuchs den Todeswunsch nicht recht abnimmt - und ihn ihm doch nicht abschlagen mag.

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