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Der Kinderroman „Alice im Mongolenland“ : Weil sie ein großes Herz hat

Bild: Thienemann

Erst war es eine bissiger Antwort, dann eine fixe Idee, und schließlich reist Alice, ein elfjähriges Mädchen mit Down-Syndrom, tatsächlich mit ihrer Familie in die Mongolei. Dort wird aus der behüteten Behinderten ein Herzen und Jurten öffnendes Häuptlingsmädchen.

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          Irgend so eine dämliche Rotznase hat Zoe mal wieder gefragt, ob sie ihre Zwillingsschwester, „diesen Mongo“, eigentlich adoptiert hätten. Klar, ist die schnippische Antwort, und zwar in der Mongolei. Alice hat das aufgeschnappt, und jetzt hat sie einen Floh im Ohr: Sie will unbedingt dorthin, mit der ganzen Familie. Und sie schafft es auch.

          Eine Elfjährige mit Down-Syndrom, mongoloid, wie man früher unbedarft sagte, reist in die Mongolei: Zoes bissige Replik klingt tatsächlich eher nach einem Witz als nach einer literarischen Idee, die über zweihundert Seiten trägt. Aber Ulrike Kuckero ist mit „Alice im Mongolenland“ ein so leichtes und ereignisreiches wie tiefsinniges Kinderbuch gelungen. Aus Zoes kindlicher, kluger Sicht erzählt sie von den Eigenheiten der Behinderung. Sie bewundert die wenige Minuten jüngere Schwester, die sich selbst fast gar nicht, anderen dafür umso besser helfen kann: „Alice ist ein besserer Mensch als ich und die meisten anderen Leute, weil sie ein großes Herz hat.“ Und sie leidet unter ihr, muss als Klügere sowieso immer nachgeben und in Alices Prinzessinnenphasen auch schon mal tagelang die Zofe spielen.

          Zoe erzählt von einer Reise mit eindrucksvollen Begegnungen, schrecklichen Stunden, als die Schwester auf einmal im unübersichtlichen Hügelland verschwunden ist, und einer zarten Liebe. Hier kommt der Mongolenjunge Bayaraa ins Spiel und zu Wort - und mit ihm ein fremder und unbefangener Blick auf Alices Behinderung. Bayaraas Großmutter nämlich hat hellsichtig wichtigen Besuch aus der Ferne vorhergesagt, und als Alice auf einmal vor dem Jungen in der Steppe steht, sich mit den Tieren der Nomaden verblüffend gut versteht und seine Großmutter noch dazu an ihre mit elf Jahren gestorbene Tochter erinnert, wird aus der behüteten Behinderten ein Herzen und Jurten öffnendes Häuptlingsmädchen.

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