https://www.faz.net/-gr3-7okpn

„Wanted“ von Lena Hach : Im Prinzenbad mit Lara

  • Aktualisiert am

Bild: Beltz & Gelberg

Mit 15 Jahren ist Liebeskummer so ziemlich das Mieseste, was einem passieren kann. Lena Hachs Debütroman „Wanted“ findet dafür nicht nur gute Szenen, sondern auch einen ausgesprochen sympathischen Erzähler.

          2 Min.

          Es gibt Jungs, die zu Hause ganz zahm sind und unter ihresgleichen den Macho machen, dass man nur so staunt. Und es gibt Jungs, die bei Hollister brav als Platzhalter in der Schlange stehen, die Handtasche ihrer Freundin am Arm. Man kann nur das Beste hoffen. Ob Lara wohl das Beste für Finn ist? Das Ende bleibt offen in „Wanted“, aber die Sache sieht gut aus. Dass Sofie nichts für ihn ist, merken die Leser spätestens nach zwei Seiten des ersten Jugendromans von Lena Hach. Die ganze Ambivalenz dieser zickigen Schönen hat Finn, Typ Handtaschenträger, ein Jahr lang begeistert erduldet. „Du bist echt ein ganz Lieber“, hat Sofie noch gesagt, dann war sie weg.

          Wenn man 15 Jahre alt ist und die Sommerferien gerade angefangen haben, ist Liebeskummer so ziemlich das Mieseste, was einem passieren kann. Lena Hachs Debütroman „Wanted“ findet dafür nicht nur gute Szenen, sondern auch den ausgesprochen sympathischen Finn, der von den eigenen und den Schwächen seiner Eltern ebenso erzählt wie von seiner sexuellen Erregung, wenn er Sofie sieht - und es wird nie peinlich. Nur ihm ist manches peinlich, etwa, als er endlich das Mädchen findet, das ganz Berlin mit merkwürdigen Abreißzetteln pflastert: „Wissen Sie, wie spät es ist?“ steht etwa darauf und darunter, zum Abreißen: „Ja“, „Nein“, „Kurz vor 12“. Diese unkonventionelle Lara ist das genaue Gegenteil von Sofie.

          Ein Buch, das alles richtig machen möchte

          Lena Hach gelingt es, sowohl Finn als auch die sonderbare Lara nah an den Leser zu bringen. Abwechselnd lässt sie die beiden Ich-Erzähler über sich und ihre immer häufigeren, aufregenden Aufeinandertreffen erzählen, schlicht, auch mal mit bissigem Humor. Beide leben mit einem Verlust: Finn mit dem brennenden Schmerz, den die erste Liebe hinterlässt, Lara damit, dass ihre große Schwester Mira vor vier Jahren verschwunden ist, ein Verbrechen, das nie aufgeklärt wurde und das ihre Familie zerstört hat.

          Die Autorin, Jahrgang 1982, hat nach einer Ausbildung zum Clown kreatives Schreiben gelernt, unter anderem war sie nominiert für den „Goldenen Pick“, den Jugendbuchpreis, den die F.A.Z. mit vergibt. Dass „Wanted“ nach den Regeln des creative writing alles richtig machen möchte, merkt man dem Text immer wieder an: Das Wohldurchdachte der Konstruktion wirkt dann etwas gewollt, die jugendfrische Lakonik stören gesuchte Formulierungen, die zwar amüsieren, aber dem so plastisch entworfenen Wesen Finns im Grunde nicht entsprechen. Und dass Moritz, sein bester Freund, sich als schwul outet, wird zum mehr als erwartbaren Cliffhanger. Da verliert der Text, was er an den besten Stellen hat, nämlich seinen authentischen Ton, leicht und dicht zugleich. Um es mit Laras Hitliste zu sagen: mehr Prinzenbad statt Olympiastadion im Kleinen.

          Weitere Themen

          Schwarze Titelseiten in Australien Video-Seite öffnen

          Ruf nach Pressefreiheit : Schwarze Titelseiten in Australien

          Einige der großen Tageszeitungen in Australien erschienen am Montag mit geschwärzten Titelseiten. Damit wollten die Blätter nach eigenen Angaben auf die australische Gesetzgebung aufmerksam machen. Diese erschwere Journalisten die Arbeit, biete keinen ausreichenden Schutz der Pressefreiheit und lasse etwa die Durchsuchung von Redaktionsräumen zu.

          Topmeldungen

          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          Champions League im Liveticker : 1:0 für Olympiakos

          Der FC Bayern dominiert zwar das Champions-League-Spiel bei Olympiakos, doch das erste Tor erzielt El-Arabi mit der ersten Torchance für Piräus. Verfolgen Sie die Partie im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.