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Jugendroman „Virus“ : Bellen und Muhen

Mirjam Mous: „Virus“. Roman Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer. Arena Verlag, Würzburg 2016. 280 S., br., 12,99 €. Ab 14 J. Bild: Arena Verlag

Während die beiden Cousins unterwegs auf die Reparatur ihres Autos warten, bricht eine Krankheit aus. In ihrem Roman „Virus“ stellt Mirjam Mous ein spanisches Dorf unter Quarantäne.

          Kris und Hopper, zwei Cousins aus den Niederlanden, sind mit dem Leihwagen in den Pyrenäen unterwegs, da läuft ihnen plötzlich ein Mann vors Auto. Sie begehen Fahrerflucht, weil sie glauben, dass ihrem Opfer nicht mehr zu helfen ist, ein weiterer Unfall unterbricht ihre Reise in einem Bergdorf, und während sie auf die Reparatur der Leihwagens warten, bricht in dem Dorf ein Virus aus. Als Konsequenz wird das Gelände abgeriegelt, die Cousins arrangieren sich vorerst mit der Lage, das einheimische Mädchen Ana freundet sich mit den beiden an. Doch plötzlich wird Kris zum Sündenbock, er gilt als der Schuldige am Ausbruch der an die Vogelgrippe erinnernden Krankheit. Und muss von nun an um sein Leben kämpfen.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Was klingt wie ein nicht ganz neuer Thriller-Plot, gewinnt an Eigenständigkeit durch die Entscheidung der niederländischen Autorin Mirjam Mous, ihren Protagonisten Kris zum Erzähler zu machen. Kris leidet am Tourette-Syndrom, was hier heißt, dass er seine Äußerungen und bestimmte Bewegungen nur schwer kontrollieren kann – er bellt und muht, er reimt und schimpft. Auch seine Wahrnehmung ist speziell, er ist schnell überfordert von dem, was auf ihn eindringt, und findet Beruhigung im Berühren von glatten, unbeweglichen Gegenständen wie der Rückseite seines Mobiltelefons.

          Mous, gelernte Sonderschullehrerin, führt ihren Erzähler nicht vor, seine Perspektive ist ungewöhnlich genug, um das Buch zu tragen. Als Thrillerautorin aber wartet sie mit derart gewagt herbeikonstruierten Umschwüngen auf, dass man der Sache schließlich müde wird, bis hin zur wenig überzeugenden Auflösung. Das ist schade, unnötig ist es außerdem. Denn Kris’ Begegnungen mit der Umwelt sind, so scheint es, aufregend genug, um auch ohne Thrillerhandlung als Romanstoff zu interessieren.

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