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„Liccle Bit“ von Alex Wheatle : Weißt du denn nicht, was wir mit Verrätern wie dir machen?

Alex Wheatle: „Liccle Bit“. Der Kleine aus Crongton. Roman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Verlag Antje Kunstmann, München 2018. 256 S., geb., 18,– €. Ab 14 J. Bild: Verlag Antje Kunstmann

Mein Schwager, der Bandenchef: In „Liccle Bit“ bringt Alex Wheatle bringt einen vierzehn Jahre alten Jungen in Bedrängnis. Es gibt Tote ein diesem Jugendroman. Und trotzdem viel zu lachen.

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          Wenn es nach ihm gegangen wäre, würde Lemar lieber nicht dazugehören. Klar, er hatte sich etwas dazuverdienen wollen, für Sneakers oder einen Iro-Schnitt beim Friseur, außerdem war es Manjaro, der ihn um den Gefallen gebeten hatte: der Bandenchef von South Crongton, von dem Lemars Schwester ein Baby hat, aber nichts mehr wissen will, sein Schwager also, wie Manjaro es einmal nennt. Mit diesem seltsam schweren Päckchen durch die Stadt zu laufen fühlt sich trotzdem falsch an für den vierzehn Jahre alten Jungen - und von der Frau mit dem Aussehen eines Bond-Girls, der er das Päckchen schließlich aushändigt, gesagt zu bekommen, er gehöre jetzt dazu, macht die Sache nicht wirklich besser.

          Zugehörigkeit ist ein großes Thema in der Jugendliteratur, und auch in Alex Wheatles Roman „Liccle Bit“ ist das nicht anders: Der 1963 in Brixton geborene und in einem Kinderheim aufgewachsene Autor hat seinen jungen Erzähler mit zwei großspurigen Freunden ausgestattet und mit einer Familie, in der er seinen Platz in Frage stehen sieht. Die Wohnung teilt sich Lemar, wegen seiner geringen Körpergröße von allen Bit genannt, mit Mutter, Großmutter, Schwester und deren Kind. Der Vater lebt mit einer neuen Familie schon fast in North Crongton. Es ist eng und laut zu Hause, es muss gespart und Rücksicht genommen werden, und für Lemar bleibt kaum mehr als Ermahnungen, Ansagen und Vorwürfe. Einzig, wie gut der Junge zeichnen kann, wird von allen bewundert - von der Großmutter bis hin zu Venetia King, dem Mädchen mit dem „sexiesten Gang im gesamten Universum“. Dass Venetia Lemar besuchen kommen möchte, um sich von ihm porträtieren zu lassen, müssen seine Freunde erst einmal verkraften. Mit den jähen Grenzen dieser Begegnung wiederum muss dann der Künstler klarkommen.

          Alex Wheatle entwickelt einigen Schwung, ein paar rührende und eine Menge lustiger Momente aus der Spannung des Freundestrios und des Mädchens. Das Gewicht seiner Geschichte allerdings legt der Autor in seinem ersten Jugendbuch nach sechs Romanen für Erwachsene auf die Verwicklung mit Manjaro. Der Leser lernt ihn noch vor der Familie nach einem Streit mit Lemars Schwester kennen, die seine Unterstützung abgelehnt und ihm verweigert hat, seinem Sohn ein Vater zu sein, wie der „Obergangsta“ es sich wünschen würde.

          Die Waffe im Schulrucksack

          Ist es Elaines Hass auf ihren Ex, der sie Lemar mit diesem Furor vor Manjaro warnen lässt, ist es ihr Wissen um dessen Geschäfte? Den Vierzehnjährigen jedenfalls können die Worte der fünf Jahre älteren Schwester nicht aufhalten, schließlich hat sie selbst sich doch auf ganz andere Weise auf ihn eingelassen. Im Gegenteil: Den Bandenchef nicht allein als die Respektsperson zu erleben wie die anderen Jugendlichen aus dem Viertel, sondern durchaus auch in Momenten der Schwäche macht Lemar womöglich sogar unvorsichtig.

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