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Jugendroman „Galgenmädchen“ : An der Liebe zu scheitern ist sehr leicht

  • -Aktualisiert am

Bild: Gerstenberg

Wie erlebt eine Vierzehnjährige vor 500 Jahren den Krieg? Mit deutlichen Worten und feinem Pinsel erzählen Jean-Claude van Rijckeghem und Pat van Beirs davon in ihrem Jugendroman „Das Galgenmädchen“.

          Das belgische Autorenduo Jean-Claude van Rijckeghem und Pat van Beirs erzählt in seinem historischen Jugendroman „Das Galgenmädchen“ vom Krieg zwischen der spanischen Krone und den Flamen. Dessen Heldin Gitte ist die illegitime Tochter eines flämischen Schankmädchens und eines spanischen Herzogs, streng calvinistisch aufgewachsen in einem Antwerpener Waisenhaus, wo sie mit fünf Jahren von ihrer Mutter abgegeben wurde. Gitte berichtet, wie sie unter die Fittiche eines wandernden Apothekers kommt und später in die Lehre eines jungen Beutelschneiders geht.

          Als das Mädchen an einem Markttag in Antwerpen versucht, einer spanischen Dame ihr kostbares Fell zu entwenden, wird sie erwischt und zum Tod durch den Galgen verurteilt. Sie entkommt, weil sie den Sohn des Stadtvogts von ihrer Unschuld überzeugt. Im Gefängnis erzählt sie ihm, dass sie in Wahrheit die Tochter eines spanischen Herzogs ist. Dem jungen Mann gelingt es, von Wilhelm von Oranien persönlich eine Begnadigung zu erwirken, allerdings unter der Bedingung, dass das Mädchen Spionin der Flamen wird, die sich gegen die spanische Herrschaft auflehnen wollen. Unter Gewaltandrohungen, und Gitte ist nicht zimperlich in ihrer Beschreibung, erklärt sie sich damit einverstanden, Spanisch zu lernen und dann zu versuchen, von ihrem Vater, einem einflussreichen Herzog in Sevilla, aufgenommen zu werden.

          Komplizierte Zusammenhänge, klar skizziert

          Der Plan gelingt. Gitte wird von ihrem Vater und seiner Frau aufgenommen, und so wird aus dem Mädchen aus der Gosse zumindest oberflächlich eine wohlerzogene junge Dame. Sie liest höfische Liebesromane mit ihrer Stiefmutter und erweitert so ihren Wortschatz und ihre Phantasie. Mit der Zeit ist es ihr immer mehr zuwider, ihren neuen Vater auszuspionieren.

          Wie Gitte sich später ein zweites Mal vor dem Galgen rettet, wird sehr konkret und lebendig erzählt. Wie überhaupt das Buch vor sinnlichen, ja deftigen Passagen strotzt. Es gibt aber auch Stellen, die ganz anders sind, etwa wenn es um die geschichtlichen Zusammenhänge oder um die Szenerie geht. Den Erzählern gelingt es, in klaren Worten die komplizierten politischen Verflechtungen zwischen den Spaniern und den Flamen so darzustellen, dass sich heutige Leser vertraut fühlen.

          Auf einmal fehlen ihr doch die Worte

          Ihre Beschreibungen sind plastisch und detailgenau. Allein wie ein Jahrmarkt geschildert wird, lässt an Bilder von Pieter Bruegel dem Älteren erinnern oder an die Genreszenen der holländischen Malerei. Eine andere Note hat Gittes Sprache auch dann, wenn es um Liebe geht. So gibt es Passagen, die hinreißend zeigen, wie das Konzept der höfischen Liebe von Gitte umgesetzt wird und wie sie schließlich daran scheitert. Ein ansonsten eher verstiegener Satz wie „Er lächelt mir zu und ich fühle die Fruchtbarkeit in meinem ganzen Körper zittern“, kann nur in diesem Zusammenhang verstanden werden.

          So wenig um Worte verlegen wie Gitte sonst ist, erstaunt es zunächst, dass ihr genau dann, wenn es ihr einmal gutgeht und alles wunderbar ist, tatsächlich nur noch dieses einzige Wort zur Beschreibung einfällt: „wunderbar“. Doch es sind genau diese ihre Schwierigkeiten damit, die eigene Herkunft und Lebensgeschichte abzustreifen und sich eine neue Persönlichkeit zuzulegen, die die Heldin dieses Buches so sympathisch machen.

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