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Der Bilderbuchklassiker „Henriette Bimmelbahn“ : Die visionäre Bimmelbahn

Bild: Boje-Verlag

Fröhliche Anarchie im Kinderzimmer: Der Boje Verlag nimmt sich des Bilderbuchklassikers von James Krüss und Lisl Stichum um die eigenwillige Bimmelbahn Henriette mit einer Sonderausgabe an.

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          Manchmal lässt sich sehr genau sagen, warum bestimmte Vornamen äußerst angenehm im Ohr klingen. „Henriette“ ist so ein Fall, wenigstens für diejenigen, die nach 1958 geboren und wohlversorgt mit Bilderbüchern aufgewachsen sind. Vermutlich kreuzte irgendwann einmal eine kleine graue Dampflok ihren Weg, die fröhliche Anarchie ins Kinderzimmer brachte, möglicherweise sogar, ohne dass die vorlesenden Eltern, eingelullt durch die plätschernden Verse, dies so richtig bemerkten: „Henriette heißt die nette, alte kleine Bimmelbahn“, lasen sie gerührt, blind für den Sprengsatz, der kurz darauf zünden sollte: „Henriette, Henriette fuhr noch nie nach einem Plan.“

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Denn auf den folgenden Seiten kehrt die Lok alles um, wofür die Staatsbahn 1958 stand (und beweist dabei einiges Talent als Visionärin), sie bestimmt eigenmächtig den Moment der Abfahrt, wählt ihre Strecke selbst, die Haltepunkte sowieso, und wenn unterwegs eine Blumenwiese kommt, hält sie besonders lange, damit jedes mitfahrende Kind Blumen pflücken kann. Die Großeltern, bei denen die Kinder abgeliefert werden, danken es ihr. Am Ende kehrte Henriette, redlich ermattet, in die Stadt zurück und ruht sich von all den Abenteuern aus.

          Was heute Axel Scheffler & Julia Donaldson sind, waren in den fünfziger und sechziger Jahren James Krüss & Lisl Stich, die gemeinsam eine Reihe reizender Bilderbücher wie „Der blaue Autobus“, „Der kleine Doppeldecker“ oder eben Henriette schufen, kindsköpfiger Wortspieler der eine, Perspektivendurchwirblerin die andere. Der Boje-Verlag nimmt sich ihrer seit je an. Jetzt ist dort eine Sonderausgabe von „Henriette Bimmelbahn“ erschienen, im Kleinformat, dafür aber mit kleinkindgerecht dicken Pappseiten, der ein Holzmodell der Lok beigegeben ist, mit echter Glocke. Schienen oder gar Fahrpläne finden sich in dem Päckchen nicht. Und das ist bei dieser Bahn nur konsequent.

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