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Das Bilderbuch „Kalle und Elsa“ : Unheimlich? Was kann es für Kinder Schöneres geben?

Jenny Westin Verona, Jesús Verona: „Kalle und Elsa“. Aus dem Schwedischen von Karl-Axel Daude. Bohem Press, Affoltern 2018. 32 S., geb., 16,95 Euro. Ab 3 J. Bild: Bohem Press

Zwei Kinder laufen weg. Der eigene Garten bietet ihnen Abenteuer genug. Das schwedische Bilderbuch „Kalle und Elsa“ führt vor, wie man unaufgeregt und trotzdem aufregend erzählen kann.

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          Kalle und Elsa laufen weg. Bei kleinen Kindern klingt das unheimlich. Deshalb wohl hat sich der deutsche Verlag entschieden, den ursprünglichen Titel des schwedischen Bilderbuchs „Kalle och Elsa rymmer“ bei der Übersetzung auf die beiden Namen zu beschränken: „Kalle und Elsa“. Nur ja keinen potentiellen erwachsenen deutschen Käufer durch skandinavisch-antiautoritäre Attitüde verschrecken, obwohl das Weglaufen gar nicht über den eigenen Garten hinausführt. Aber wie leicht fürchtet man hierzulande, den Kindern zu viel zuzumuten. Was für Phantasien das in den armen kleinen Gehirnen entfesseln könnte! Dabei ist „unheimlich“ ein bei Kindern meist positiv besetztes Gefühl und nicht zufällig das meistgebrauchte Wort in den Gesprächen der beiden Ausreißer des Buchs. Im schönen Schauder, den es ausdrückt, liegt der ganze Reiz unbeschwerten Kinderblicks auf die Welt: Man weiß um die Existenz von Gefahren, fühlt sich aber sicher. Was soll im Garten schon Bedrohliches lauern? Also stellen Kinder es sich wohlig vor; bei Elsa und Kalle sind es Dschungel, Wolf und Krokodil.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Jenny Weston Verona hat eine wunderbare, ganz simple Geschichte geschrieben, und ihr Mann Jesús Verona hat sie großartig illustriert: in jeweils einem Stil, der auf Stoffe und Bilderbuchgrafik der siebziger Jahre verweist, damit all die großen schwedischen Kinderbuchklassiker heraufbeschwört, aber dennoch ganz modern ist, weil etwa Kalle dunkelhäutig ist, aber bei einer hellhäutigen Mutter lebt. Angesprochen wird so etwas nicht, nur gezeigt, und dann kann sich jeder seinen Teil dazu denken: farbiger Vater? Adoptivkind? Es ist egal, aber es ist reizvoll.

          Wie auch das hier vorgeführte Rollenbild. Es changiert. Anfangs scheint Kalle der Abenteuerlustige und Elsa die Sorgsame, aber das verkehrt sich, ohne dass es handlungsrelevant wäre. Es ist einfach selbstverständlich. Wie auch die Botschaft jenes Bildes – doppelseitig und detailreich ist es wie alle anderen auch in diesem Buch –, auf dem Kalles Mutter schwer beschäftigt vor dem Laptop sitzt und nicht mitbekommt, dass hinter ihrem Rücken eine ganze Expeditionsausrüstung zusammengestellt wird. Ja, diese Mutter ist zu Hause. Aber diese Mutter ist offenbar nicht nur Hausfrau. Und nein, diese Mutter ist nicht so aufmerksam, wie es das Klischeebild gerne hätte. Doch sie erweist sich als ideale Betreuerin, weil sie den beiden Kindern ersichtlich vertraut.

          Jesús Verona macht in seinen Illustrationen die kindlichen Wunschbilder sichtbar: Der Urwald ist dicht und dunkel, obwohl daneben ein Apfelbaum steht. Und Wolf und Krokodil treten im selben Habitat auf, verwandeln sich ineinander, werden zum „Wolfskrokodil“ und treten doch auch immer wieder zusammen auf. Recht bald sieht man in ihnen eher Begleiter als Verfolger, und das Buch erlaubt sich den schönen Schlusspunkt einer Vignette, die aus den beiden Raubtieren muntere Kumpane der Leser macht.

          So unkompliziert erzählt und doch zugleich so sorgfältig und kleinteilig gezeichnet – man achte nur auf das Kinderzimmer zum Auftakt, in dem Kalle und Elsa mit Spielzeug einige muntere Katastrophen inszenieren –, das hat man selten. Die Veronas, beides noch junge Autoren, bieten zu den schönsten Hoffnungen Anlass. Eine Fortsetzung gibt’s in Schweden übrigens schon: Da treibt es Kalle und Elsa weiter weg aus dem Haus bis an den Strand. Da wären wir auf Deutsch auch wieder gerne mit dabei.

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