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Das Kindersachbuch „Wolken, Wind & Wetter“ : Die nächsten hundert Jahre

Bild: Deutsche Verlags-Anstalt

Übers Wetter und den Klimawandel wird viel Unsinn verbreitet. Umso wichtiger ist die sachliche Darstellung. Stefan Rahmstorfs Buch kommt dem sehr nahe.

          5 Min.

          Verursacht der Mensch mit seinen Treibhausgas-Emissionen einen globalen Klimawandel? Ist dieser Wandel schlecht? Gibt es ihn überhaupt?

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer dazu neigt, auch nur eine dieser Fragen mit einem energischen Nein oder „Das ist doch zweifelhaft“ zu beantworten, der wird seine Kinder von dem Sachbuch „Wolken, Wind & Wetter“ vielleicht fernhalten wollen. Denn sein Autor, der Ozeanphysiker Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ist der Lieblingsfeind sogenannter Klimaskeptiker, welche die menschengemachte globale Erwärmung bestenfalls für eine nicht ausreichend erhärtete Hypothese halten. Die Abneigung beruht ganz auf Gegenseitigkeit. Unermüdlich zerpflückt Rahmstorf in Blogs, Talkshows oder Zeitungsartikeln die Argumente der Klimaskeptiker. Nicht immer begnügt er sich dabei mit der Rolle des neutralen Sachverständigen, oft genug fordert er als aus seiner Sicht einzig mögliche politische Konsequenz eine unverzügliche Abkehr von fossilen Energieträgern und dem damit verbundenen Lebensstil.

          Nach der Wärmebilanz wird es leichter

          Doch auch wer die politische Seite der Klimafrage anders beurteilt, sollte sich dadurch auf keinen Fall davon abhalten lassen, Kindern mit Neugier auf Naturphänomene dieses Buch in die Hände zu legen. Denn auf die Klimadebatte kommt Ramstorf erst am Schluss zu sprechen. Ansonsten ist das Buch eine jugendgerechte Einführung in die Meteorologie und Klimaforschung - und sie ist außerordentlich gelungen.

          Das beginnt beim Aufbau. Ein Jugendbuch über das Wetter mit spektakulären Phänomenen der Troposphäre wie Gewittern und Wirbelstürmen beginnen zu lassen, darauf wären vielleicht auch andere Autoren gekommen. Doch bevor Rahmstorf im dritten Kapitel zu alltäglicherem, aber lebensnahem und daher vergleichsweise leicht erläuterbarem Wettergeschehen übergeht, schaltet er bereits ein Kapitel über die Wärmebilanz der Erde ein und scheut dort auch nicht davor zurück, den ersten Hauptsatz der Thermodynamik zu benennen und zu benutzen. Wem Inhaltsverzeichnis oder Illustrationen signalisieren, dass es weiter hinten wieder einfacher wird, der ist eher auch bereit dazu, sich zwischendrin fordern zu lassen.

          Schade, dass man sich das nicht alles merken kann

          Und, keine Frage: Rahmstorf nimmt seine jungen Leser ernst. So weigert er sich, umständliche - und daher langweilige - Umschreibungen zu konstruieren, um nur ja keine Fachwörter zu nennen. Wenn etwas wichtig ist, wenn es gar ein Schlüsselbegriff ist wie „Klimasensitivität“, dann verwendet er den Terminus auch - selbstverständlich nicht, ohne ihn klar und doch ohne Weitschweifigkeit zu erklären. Oft sind diese Erklärungen geschickt auf die Zielgruppe abgestimmt, etwa wenn der Unterschied zwischen Anfangsbedingungen und Randbedingungen mit dem zwischen Kontostand und Höhe des Taschengeldes erklärt wird.

          Auch nennt Rahmstorf nicht wenige Zahlen, gerne auch als Zehnerpotenzen. Aber fast immer macht er sie dann durch Vergleiche begreiflich, unter denen man sich wirklich etwas vorstellen kann. Auch wenn es recht viele numerische Werte sind, die er referiert, so ist keiner darunter, der nicht interessant oder illustrativ wäre. Am Ende bedauert man nur, dass man sie sich nicht alle merken kann.

          Sie dreht sich einfach nicht besonders weit

          Gewiss, Rahmstorf präsentiert seinen Stoff dabei in klassischer Frontalmethode. Alternative Sachtextformen wie Dialoge oder Geschichten würde man bei ihm vergeblich suchen, aber man vermisst sie auch auf keiner Seite. Die Tatsachen und Zusammenhänge sind viel zu interessant, als dass sie erzählerische Mätzchen nötig hätten. Vor allem in den ersten Kapiteln geht der Autor sehr oft von Fragen aus, die ein jugendlicher Leser zu einem Sachverhalt haben könnte. Keine davon lässt er unbeantwortet, und er korrigiert falsche Vorstellungen oder Erklärungen, von denen gerade beim Thema Wetter und Klima nicht wenige kursieren, zuweilen sogar im Physikunterricht.

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