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Sangma Francis, Lisk Feng: „Everest“. Aus dem Englischen von Harald Stadler. NordSüd Verlag, Zürich 2019. 80 S., geb., 20,– Euro. Ab 8 J. Bild: NordSüd

Mount Everest im Kinderbuch : Die schiere Buchkunst

„Everest“ von Sangma Francis und Lisk Feng will sicher beides: ein Bilderbuch-Kunstwerk sein, das Kinder wie Erwachsene anzieht, und gleichzeitig berichten über den höchsten Berg der Welt, der immer weiter wächst.

          Was für ein unglaublich schönes Buch! Auf dem dicken Einband aus angerauhtem Karton glitzert uns der Berg der Berge entgegen, umgeben von erhaben gedruckten glitzernden Sternen und leuchtenden Punkten. Blau, Grau, Weiß und verschiedene Rottöne beherrschen auch das Innenleben, vom gemusterten Vorsatzblatt mit einem schön gestalteten Exlibris zum Ausfüllen bis zu den mit verschiedenen Mustern umrahmten Einzelbildern. Die letzte Doppelseite des Buchs begleitet den Mond am Rand durch seine Phasen – großartig. Schneeleopard und Yak, die Tracht der Sherpas oder die verschiedenen Gesteine auf den drei Gesichtern der „Göttin“ namens Everest prangen auf festem Papier in satten Farben. Das in Lettland gedruckte Buch ist eine Pracht.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und Lisk Feng ist offenbar eine Meisterin darin, Klarheit und spielerische Phantasie zusammenzubringen in ihren Bildern. Die junge chinesischstämmige, in New York lebende Illustratorin ist für die Schönheit verantwortlich in „Everest“. Sie kann auch tektonische Verschiebungen und das Verschwinden der Gletscher durch den Klimawandel so darstellen, dass es funkelt und nicht so banal aussieht wie der größte Teil der Sachbücher für junge Leser. Keine 17 verschiedenen Typographien, keine Kästchen für Schlaumeier oder Comicfiguren mit albernen Namen.

          „Everest“ will ganz sicher beides: ein Bilderbuch-Kunstwerk sein, das Kinder wie Erwachsene anzieht, und gleichzeitig berichten über den höchsten Berg der Welt, der immer weiter wächst, über seine erdgeschichtlichen Entstehung, über seine Rolle in den Mythen der Menschen, die dort leben. Von Flora und Fauna wird erzählt und von den seltsamen Lebewesen, die in immer größerer Zahl das Dach der Welt erobern wollen. Man sieht sie, die Ersten allein im schieren Weiß, die Heutigen als endlose Kette schwarzer Silhouetten stapfen. Sogar von den Müllbergen der gipfelstürmenden Selbstverwirklicher gibt es schöne, beunruhigende Bilder.

          Aber wie funktioniert nun eine Triangulation?

          Wie bedauerlich, dass der Text diesen Bildern so wenig gewachsen ist. Sangma Francis, die Autorin von „Everest“, kann mit der Fülle des Stoffs deutlich weniger gut umgehen als Lisk Feng. Das Erzählerische, die Mythen vom Gott des weißen Yaks, vom Regen der Mutter Ganga oder von den fünf Schwestern des langen Lebens, die auf dem Gipfel des Everest leben, liegen ihr eher als die bündige Darstellung historischer oder ökologischer Zusammenhänge. Was ein Bergsteiger können muss, um auf den Everest zu gelangen, wird sich niemand, egal, welchen Alters, aus den paar Sätzen über das Sichern mit Klemmseil oder über Eispickel zusammenreimen können. Und wenn über den Moschushirsch lediglich zu lesen ist „Die Männchen werden von den Menschen gejagt, weil ihre Drüse einen Duft erzeugt, der in Parfümen verwendet wird“, dann hat man sich um alle weiteren womöglich schwierigen Erklärungen herumgedrückt. Der Zusatz „Daher ist diese Tierart bedauerlicherweise vom Aussterben bedroht“ ist da schon unfreiwillig komisch.

          Wer sich da Auskunft vom Glossar erhofft, wird oft enttäuscht, ist es doch eine merkwürdige Ansammlung von Begriffen. Von „Alpin“, Erklärung: „Bezieht sich aufs Hochgebirge“, bis „Wanderung“, Erklärung: „Manche Tiere wandern in bestimmten Jahreszeiten in eine andere Region“ wird in bemerkenswerter Souveränität alles vermieden, das es sich zu erklären lohnte. Etwa, wie wohl eine Triangulation funktioniert oder was es nun mit diesem Sichern am Berg auf sich hat.

          Angesichts der Bevorzugung der Ästhetik vor dem Inhalt ist das so enttäuschend wie konsequent. Als Buchkunst betrachtet aber kann es „Everest“ sich durchaus leisten, dass die interessierten Kinder ein herkömmliches Sachbuch konsultieren, um mehr zu erfahren. Oder die Erwachsenen löchern, die ihnen das Buch geschenkt haben.

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