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Das Bilderbuch „Als Bernhard ein Loch in den Himmel schoss“ : Keine Verschärfung der Spielzeugwaffengesetze

Bild: Boje

Ist es das Bedürfnis nach Stärke, Anerkennung und Selbstschutz, das Vierjährige zu Waffennarren macht? In seinem Bilderbuch „Als Bernhard ein Loch in den Himmel schoss“ nimmt Morten Ramsland die Gefühle ernst und kontert sie mit ebenso ernstem Anspruch.

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          Wer kennt ihn nicht, diesen Gefühlscocktail aus Unverständnis, Abscheu und Sorge, der die Eltern schüttelt, wenn der liebe Kleine, über Nacht zum Ritter oder Cowboy geworden, auf einmal mit Lanzen- und Pistolenphantasien kommt? Schnell die Spielzeugwaffengesetze verschärfen! Dabei waren doch auch manche Väter einmal ähnliche Vierjährige, ohne Schaden genommen zu haben. Was wissen wir von dem Gefühlscocktail, der waffenbegeisterte Jungs so schüttelt?

          Es ist das Bedürfnis nach Stärke, nach Anerkennung und Selbstschutz, dazu eine gute Portion Trotz. So beschreibt es jedenfalls Morten Ramsland in seinem Bilderbuch „Als Bernhard ein Loch in den Himmel schoss“. Der Autor nimmt diese Gefühle ernst, und er kontert sie mit einem ebenso ernsten Anspruch: nach Verantwortungsbereitschaft.

          Da muss er sich eben zusammenreißen

          Der kleine Bernhard hat sich von seiner großen Schwester ärgern lassen, mit der Spielzeugpistole erst auf sie geschossen und dann nach ihr geworfen. Die Schwester schreit, die Mutter schimpft, schickt den Jungen aufs Zimmer, er klettert aus dem Fenster und findet im Wald eine Pistole – eine richtige. Mit der er auch herumballert. Leider ist es, wie ihm der alte Knut später erklärt, „die einzige Pistole, die ein Loch in den Himmel schießen kann“. Und genau das ist auch passiert – aus Versehen, natürlich. Jetzt ist die Erde voller Wasser gelaufen, nur noch eine Bergspitze mit Knuts Haus schaut als Inselchen heraus. Und jetzt? Bietet der Alte erst einmal an, die Pistole gegen eine Zwille einzutauschen, mit der man immerhin Sternschnuppen abschießen kann. Künftig passt besser er auf die Feuerwaffe auf.

          Bleibt noch die Überflutung, und dabei hilft Knut mit dem Hinweis: „Wenn man groß genug ist, um ein Loch in den Himmel zu schießen, dann ist man wahrscheinlich auch groß genug, um ganz bis auf den Grund eines ungeheuer großen Meeres zu tauchen und den Stöpsel herauszuziehen.“ Er selbst sei dafür zu alt und außerdem wasserscheu – und so mutig nun auch wieder nicht. Also reißt Bernhard sich zusammen, taucht, findet den Stöpsel und ist schnell wieder zu Hause. Die nervende Schwester, die schimpfende Mutter, all das macht ihm jetzt nicht mehr zu schaffen. Er hat ja seine Sternenzwille, und mit der wird er es allen schon zeigen.

          Keine Bekehrung, zum Glück

          Mühelos wechselt Morten Ramslands Geschichte aus der Wirklichkeit in die Phantasie und wieder zurück, und ebenso mühelos begleiten sie die Zeichnungen Vitali Konstantinows: Die Welt um Bernhard, ob Kinderzimmer, Garten oder Wald, ist eine sandige Cowboy-Welt mit Kakteen und bizarren Felsen. Auf seinem Tauchgang wird er von riesengroßen Haien belauert. Und im letzten Bild sitzt er im Schlafanzug neben einem Kleinkaktus auf der Fensterbank, schaut in den Sternenhimmel, und über dem Jungen baumeln zwei indianische Traumfänger.

          Ist sie also erkannt und gebannt, die kindliche Waffenlust? Sie ist es nicht, zum Glück. Bernhard ist nicht bekehrt worden, seine Gefühle wurden nicht bereinigt. Aber sein Blick hat sich geweitet. Der seiner kindlichen Leser wird es ihm gleichtun. Und der ihrer Eltern hoffentlich auch.

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