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Bilderbuch von Chris Haughton : Hundert Worte über die Möglichkeit, einen Vogel zu fangen

  • -Aktualisiert am

Chris Haughton: „Pssst! Wir haben einen Vogel“. Aus dem Englischen von Stephanie Menge. Sauerländer Verlag, Frankfurt 2015. 32 S., geb., 14,99 €. Ab 2 J. Bild: Sauerländer Verlag

Vier vermummte Gestalten auf der Jagd nach dem Federvieh, Grundsätzliches über das Fangen und Locken: In Chris Haughtons drittem Bilderbuch „Pssst! Wir haben einen Vogel“ wird wenig gesprochen und viel versucht.

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          Der in London lebende Ire Chris Haughton ist ein vielgelobter Mann. Er ist Designer und Illustrator und für sein eigentlich noch gar nicht besonders umfangreiches Werk bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet worden. Das gilt auch für sein jüngstes Bilderbuch, sein drittes insgesamt, das in mehreren Ländern sowohl mit Kinderbuch- als auch mit Designpreisen bedacht wurde, ganz so, als ließen sich diese Genres bei ihm problemlos voneinander trennen.

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          In „Pssst! Wir haben einen Vogel“ ist das gewiss nicht der Fall. Die feine, von Stephanie Menge besorgte deutsche Übersetzung des Buches besteht zwar aus gerade einmal zweiunddreißig Seiten, auf denen nicht mehr als etwa einhundert Wörter stehen - die aber sind mit Bedacht gesetzt. Denn in der Geschichte der vier seltsam vermummten Gestalten, die zu nachtblauer Stunde durch das Unterholz ziehen, um einen Vogel zu fangen, fungieren die wenigen Worte als eine Art Raumaufteiler. Vermutlich ließe sich die Geschichte nämlich genauso gut verstehen, wenn Chris Haughton ganz auf Worte verzichtet hätte. Mehr als „Erster fertig, zweiter fertig, dritter fertig ...“, häufig „Pssst ...“ und manchmal „Hallo Vögelchen“ wird ohnehin kaum gesagt.

          Fast die gesamte Jagd verschlafen

          Allerdings wäre dem Autor mit den Worten ein wichtiges strukturierendes Element verlorengegangen. Eines, das den Bildern der auf Bäume kletternden und auf einem Floß treibenden Jäger einen je eigenen Rhythmus verleiht und sie in Bewegung versetzt: Hier dienen die Zeichnungen nämlich nicht zur Illustration des Textes, vielmehr trägt der Text immer wieder zur Gliederung der Bilder bei, was dem ganzen Buch zuweilen den Eindruck eines großen Comics verleiht. Und was, nebenbei bemerkt, eben mit dazu beiträgt, dass man sich über die vielen Auszeichnungen wundert, die nie auf diese Vielschichtigkeit, sondern stets nur auf einzelne Teile des Buches zu zielen scheinen.

          Ein weiterer wichtiger Teil ist übrigens die Farbe. Haughton hält seine Bilder über weite Strecken in Blau und Schwarz, und zwar sowohl, was den waldreichen Hintergrund angeht, als auch, was die Silhouetten seiner pantomimisch agierenden Figuren betrifft. Einzig der Vogel, den es zu fangen gilt, leuchtet in Magenta und knallendem Rot, ganz am Ende sehen wir einige seiner Artgenossen sogar in gelben Federkleidern. Intensive, einfache Farben also, die Haugthon abermals nutzt, um Akzente zu setzen: In der dunklen Umgebung schillert der Vogel und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Auf den zweiten Blick offenbart er dann eine bemerkenswerte Siegesgewissheit - ist er doch der Einzige, der es sich leisten kann, fast die gesamte Jagd zu verschlafen. Erst als der kleinste der vier, in ihrer unterschiedlichen Größe an die Daltonbrüder erinnernden Jäger mit einer List an ihn herantritt, öffnet er wieder die Augen. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass er das Spiel deswegen auch verliert.

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