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Bilderbuch „Papillon“ : Ein Schmetterlingsflügelschlag, der die Welt verändert

Grégoire Reizac, Marion Arbona: „Papillon“. Aus dem Französischen von Barbara Müller. Tintentrinker Verlag, Köln 2015. 28 S., geb., 15,- €. Ab 4 J. Bild: Tintentrinker Verlag

In „Papillon“ versucht Grégoire Reizac eine kindgerechte Erklärung der populärsten Behauptung der Chaostheorie. Ganz überzeugend ist das nicht. Die Illustrationen von Marion Arbona hingegen sind es schon.

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          So richtig zu verstehen ist es nicht, warum dieses Bilderbuch den Titel „Papillon“ trägt. Sicher, so ähnlich heißt es auch im französischen Original - dort „Un papillon“ -, aber „Schmetterling“ oder „Ein Schmetterling“ hätte nicht schlechter geklungen und mehr dem entsprochen, was hier geleistet werden soll: eine kindgerechte (und welches Kind spricht hierzulande Französisch?) Erklärung der populärsten Behauptung der Chaostheorie: dass der Schlag eines Schmetterlingsflügels irgendwo anders auf der Welt in einem Sturm resultieren kann. Kann, nicht muss. Und irgendwo anders.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Diesen Umstand missachtet das von Grégoire Reizac geschriebene Buch. Da löst der Aufbruch eines Schmetterlings einen Regenguss aus, der sich just über der Region ergießt, in der er lebt. Die durchaus komplexen Annahmen der Chaostheorie schließen solch ein Phänomen zwar nicht aus, aber es wäre dann wieder Folge einer Rückwirkung der woanders lokalisierten Stürme und somit nur indirekt Resultat des ursprünglichen Flügelschlags. Diesen Hauch an Weltweisheit kann man Kindern durchaus zumuten. Aber vielleicht soll ja auch den erwachsenen Vorlesern die Möglichkeit geboten werden, selbst ein wenig zu glänzen.

          Aus diesem Hauch kann alles werden

          Viel vorzulesen gibt es nämlich gar nicht; das Buch verlässt sich vor allem auf die opulenten Buntstift- und Pastellzeichnungen von Marion Arbona. Schon das Titelbild ist ein Genuss, denn es zeigt den rechten Flügel eines goldgelben Schmetterlings, dessen linker Flügel dann auf der Rückseite zu finden ist, und wenn man das Buch aufklappt, ergänzen sich beide mit dem auf den Buchrücken gedruckten Körper des Tiers zur vollständigen Gestalt. So eine geschickte Gestaltung verleiht auch den Lesern Flügel.

          Bei aller Farbenpracht der Illustrationen ist ihr Grundelement Reduktion. Bisweilen fühlt man sich an Celestino Piattis berühmtes Eulenbilderbuch aus den sechziger Jahren erinnert, denn Schraffuren und Konturlinien sind noch wichtiger als die Kolorierung. Arbona führt uns ganz nahe ans Geschehen heran, an die Flügelspitzen des Schmetterlings oder an ein Samenkorn, das in der Wüste zu verdorren droht, und dann mit den gleichen graphischen Mitteln ganz weit weg zu düsteren Himmelsansichten.

          Mikro- und Makrokosmos erweisen sich als Spiegelbilder, und so wird nachvollziehbar, wie aus einem Hauch ein Orkan werden kann: Sie sehen ja auch ganz ähnlich aus. Aber ein bunter Regen? Doch, der sieht wunderbar aus, wenn er so gezeichnet ist wie von Marion Arbona. Bilder lassen solche Unplausibilitäten zu, weil wir ihnen Kunstfreiheit zugestehen. Das ist bei Worten schwieriger, und darunter leidet leider dieses gut gemeinte, aber vor allem – und das ist ja weiß Gott nicht wenig – gut gemalte Buch.

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