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Britta Teckentrup: „Mond – Eine Reise durch die Nacht“. Aus dem Englischen von Maria Höck. Ars Edition, München 2018. 32 S., geb., 15,– Euro. Bild: Ars Edition

Britta Teckentrups „Mond“ : In dieser Nacht sind alle unterwegs

  • -Aktualisiert am

Wer will da schlafen? Britta Teckentrups Bilderbuch „Mond – eine Reise durch die Nacht“ beschwört zugleich nächtliche Ruhe herauf und zeigt, welch beträchtliche Betriebsamkeit in der Nacht herrscht.

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          Noch ein Buch über den Mond? Man kann nicht abstreiten, dass es schon sehr viele Kinderbücher über den Mond gibt. Richtig ist aber auch, dass es wahrscheinlich nie genug geben kann, denn der Mond ist etwas, das Kinder früh und nachhaltig beschäftigt. Wenn Britta Teckentrup in ihrem neuen Bilderbuch also die Frage stellt, warum der Mond aufgeht, dann widmet sie sich einem großen Thema der Kindheit. Und befindet sich auch selbst in ihrem Element.

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Britta Teckentrup, 1969 geboren, hat mehr als zwanzig Kinderbücher verfasst, von denen sich etliche mit den dunklen Seiten der Natur beschäftigen. Der Nebel, die Wolken, die Nacht – das sind ihre Themen, so beispielsweise in „Nachts, wenn alles schläft“. (2016) und in dem 2015 erschienenen „Alle Wetter“. In ihrem gerade aus dem Englischen übersetzten Buch „Mond – eine Reise durch die Nacht“ geht der Mond in Form einer Aussparung auf, einem Loch im Papier, das immer runder wird: Als schmale Sichel wirft der Mond ein fahles Licht in den Wald, als Vollmond weist er am Strand den Schildkröten den Weg, und als Neumond überlässt er den Himmel den Glühwürmchen, die den Sternen zum Verwechseln ähnlich sehen.

          Diese haptische Spielerei war zwar nicht die Idee von Britta Teckentrup. Sie geht auf ihren englischen Verlag „Little Tiger“ zurück, mit dem die Autorin zusammenarbeitet, weil sie lange in London gelebt hat. Aber der ausgestochene Mond lässt sich gut in Teckentrups Arbeitsweise integrieren, weil ihre Bilder immer aussehen wie Collagen, auch wenn sie mit Hilfe des Computers entstehen. Die nächtlichen Landschaften zeigen Bäume und Kakteen, die, weil sie an Schattenrisse erinnern, etwas Unheimliches ausstrahlen. Ihre Oberflächen wirken schraffiert. Das Unterholz ist genauso in dunklen, matten Farben gehalten wie der Wüstensand, vor dessen Hintergrund sich die leuchtenden Farben der Tiere abheben. Wie im echten Leben müssen sich die Augen des Betrachters an diese Dunkelheit erst gewöhnen. Das ist das Bezaubernde in diesem Buch – dass es in eine Stimmung hineinzieht, die auch am helllichten Tag entsteht.

          Und die selbst Kinder erfassen dürften, die den Sinn der begleitenden, kurzen Texte noch nicht verstehen. Diese Texte sind nie länger als vier Zeilen, in Versen arrangiert und mit Paarreimen versehen, was der ganzen Fahrt einen poetischen Anstrich verleiht.

          Denn Teckentrups Mond geht über dem ewigen Eis auf, über dem Urwald und der afrikanischen Steppe. Wie bei den Schildkröten, die im Mondlicht ihre Eier legen, nutzt Teckentrup einzelne Tableaus, um kleine Ausflüge ins sachbuchhafte Erklären zu unternehmen. So auch bei einem Vollmond, der über dem Ozean steht und die Medusen anzieht: „Der volle Mond schickt helles Licht, / das funkelnd in die Wellen bricht. / Und in des Meeres dunklen Weiten / befiehlt der Mond ihm die Gezeiten.“ So beschwört das Bilderbuch zugleich nächtliche Ruhe herauf und zeigt, welch beträchtliche Betriebsamkeit in der Nacht herrscht – die einzige Gefahr liegt dann darin, dass nach der Lektüre kein Kind mehr zu Bett gehen will.

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