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Georgiens Kinderbuchklassiker : Am Ende wartet noch ein Sonnenaufgang

Jetzt hilft nur noch Rohrflötenmusik: Salamura auf der Suche nach der Fee. Bild: Handrick Verlag

Revolution und Liebe: „Salamuras Abenteuer“, der georgische Kinderbuchklassiker von Artschil Sulakauri, liegt jetzt endlich auf Deutsch vor.

          4 Min.

          Wenn ein Prinz träumt, hat sein Land nichts zu lachen. Besonders wenn der Prinz so verwöhnt ist wie Kondaruchi, der Thronfolger von Kondareti, einem wohlhabenden Zwergenland, zwischen zwei Armen des Flusses Tschkapuna gelegen. Jener Kondaruchi also, der sowieso am liebsten im Bett liegt, träumt von einer wunderschönen, von Glühwürmchen umflatterten Fee und verlangt nach dem Aufwachen, man möge sie suchen und an den Hof bringen. Seine Eltern beeilen sich, den Wunsch des quengelnden Prinzen als königlichen Befehl auszugeben, und bald befinden sich die Untertanen auf der Suche nach der Fee. Sie wird sogar gefunden und an den Hof befördert, vom mutwilligen Prinzen dann aber vor allen Augen zum Gespött gemacht und schließlich vom verschlagenen obersten Ratgeber heimlich in einen Kerker gesperrt – der Prinz soll sich nicht weiter für die Fee interessieren, sondern Printa, die Tochter des Ratgebers, heiraten. Dass freilich der Prinz gerade unter Beweis gestellt hat, wie er mit Menschen umgeht, die seiner Macht unterworfen sind, kümmert Printas Vater nicht weiter.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          So beginnt das Kinderbuch „Salamuras Abenteuer“, das noch über fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen in seinem Heimatland Georgien als Bestseller gilt, als ein Buch, das dort von jedem Kind gelesen wird. Sein Autor Artschil Sulakauri (1927 bis 1997), der in Tiflis als Redakteur und Verlagsleiter arbeitete, ist in Deutschland kaum bekannt. Außer „Salamuras Abenteuer“ liegen bisher ganze zwei Kurzgeschichten aus seinem recht umfangreichen literarischen Werk in deutscher Übersetzung vor, publiziert an entlegenen Orten und längst vergriffen: Zum einen „Der Junge mit dem Hund“ in der Anthologie georgischer Prosa, die der ostdeutsche Verlag Volk und Welt 1984 unter dem Titel „Der ferne weiße Gipfel“ publizierte, zum anderen „Die Wellen treiben zum Ufer“, 1978 in der Anthologie „Erlesenes 3“ im selben Verlag erschienen. Besonders diese Erzählung wäre kaum geeignet, auf den Ton und den Witz von Sulakauris Kinderbuch einzustimmen, obwohl sie im Original in zeitlicher Nähe zu „Salamuras Abenteuer“ 1960 publiziert worden ist. „Die Wellen treiben zum Ufer“ ist eine Soldatengeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg, die aus den von nahem geschilderten Verlusten an der Front die Notwendigkeit zum Weiterkämpfen motiviert. Auch „Der Junge mit dem Hund“ erzählt davon, wie sich ein Protagonist zum Widerstand aufrafft, hier aber weit besser beobachtet und psychologisch fein begründet: Einem auf dem Schulweg regelmäßig von vier anderen Jungen drangsalierten Knabe läuft ein Hund zu, der ihn zunächst beschützen kann, später jedoch umgekehrt auf seine Hilfe angewiesen ist, was vor allem den Jungen selbst innerlich wachsen lässt.

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