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Anne Fleming: „Ziegen bringen Glück“. Roman. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Carlsen Verlag, Hamburg 2019. 156 S., geb., 11,– Euro. Ab 10 J. Bild: Carlsen Verlag

Anne Flemings Kinderbuch : Da ist was auf dem Dach

Auf dem Dach des Hauses am Central Park soll eine Bergziege leben? Um das herauszubekommen, muss die elfjährige Kid in Anne Flemings Kinderbuch „Ziegen bringen Glück“ einige Hindernisse überwinden – nicht zuletzt ihre Scheu.

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          Kid ist elf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern vorübergehend in eine kleine Wohnung am Central Park in New York zieht. Das schüchterne Mädchen ist nicht begeistert von dem Wechsel und den vielen fremden Menschen um sie herum, die ihr ständig Fragen stellen, so dass sie am liebsten weglaufen möchte. Während ihre Mutter für eine Theateraufführung probt, besucht Kid mit ihrem Vater verschiedene Museen. Dabei treffen sie auf Will und seine Großmutter, die im Nachbarhaus wohnen. Nach und nach überwindet Kid ihre Scheu und freundet sich mit ihm an. Von Will erfährt sie auch das Gerücht, auf dem Hausdach lebe eine Bergziege. Derjenige, der das Tier sieht, hat angeblich sieben Jahre Glück. Aber wie kommt eine Ziege aufs Dach? Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche und fragen im Haus herum, wer das seltsame Tier schon einmal gesehen hat. Langsam überwindet Kid ihre Angst, und das Haus voller Fremder wird für sie zu einem Zuhause.

          Ungewöhnlich ist die Erzählperspektive von Anne Flemings Roman „Ziegen bringen Glück“, denn er beginnt aus der Perspektive des Tiers – damit ist auch sofort klar, dass es sich bei dessen Existenz nicht um ein Gerücht handelt. Und einige Figuren haben die Ziege tatsächlich schon gesehen, zum Beispiel Jonathan, der nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig sprechen kann und von seiner Frau gepflegt wird. Darf er nun, dem Gerücht entsprechend, mit sieben glücklichen Jahren rechnen? Immerhin fasst er nach der Sichtung den Entschluss, sich anzustrengen und die Wohnung zu verlassen, um den Kindern von seinem Geheimnis zu erzählen. Und das kommt auch ihm selbst zugute.

          „Ziegen bringen Glück“ ist das erste Kinderbuch der kanadischen Autorin Fleming, die bereits drei Bücher für Erwachsene publiziert hat. Trotzdem entwickelt sie auf Anhieb eine kindgerechte Sprache, die auch auf die Namen der Figuren einigen Sprachwitz wendet – Fenniford-Lysinski, Grbcz, der Hund „Cat“ oder das Kind „Kid“. Die sechs Kapitel beginnen jeweils mit einer kleinen Illustration der Ziege. Vor dem ersten Kapitel ist das Tier zu sehen, wie es an einer umgefallenen Topfpflanze knabbert – später markiert das wiederkehrende Bild des Blumentopfes den Perspektivwechsel zwischen den Charakteren.

          Glück ist kein für alle feststehender Zustand

          In einem temporeichen Wechsel aus kurzen und langen Sätzen sowie Einschüben beginnt Flemings Geschichte, spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Immer wieder tauchen dabei einzelne Wörter oder Sätze in kursiv auf, die gezielt die Aufmerksamkeit des Lesers auf bestimmte Aspekte lenken sollen. So zum Beispiel auch der Satz „Bloß weg hier“. Er ist eines der wichtigsten Stilmittel, um Kids Angst vor Gesprächen mit Fremden zu illustrieren. Auch das Herzklopfen und der vermiedene Blickkontakt gestatten einen Blick in die Gefühlswelt des Mädchens und erleichtern es dem Leser, sich mit ihr zu identifizieren.

          Doch die Geschichte verläuft trotz dieser permanenten Belastung keineswegs deprimierend, sie ist sogar ausgesprochen lustig und voller Überraschungen, die Fleming stilsicher erzählt. Einen blinden Skateboardfahrer etwa beschreibt die Autorin so eingängig, dass man das Gefühl hat, selbst auf dem Skateboard zu stehen und über die Bürgersteige durch New York zu rollen, und auch die Leidenschaft des kleinen Will, der so gern Wörter verdreht und Angst vor Fenstern hat, teilt sich eindrucksvoll mit.

          Was hat es nun aber mit dem Glück auf sich, das angeblich die Ziege bringt? Glück? Anne Fleming gelingt es, die verschiedensten Facetten dieses vielschichtigen Begriffes widerzuspiegeln.

          Absolut ist da nichts, das Glück ist kein für alle feststehender Zustand, sondern es bleibt immer auch eine Frage der Perspektive und der Entscheidung dafür. Um es zu finden, müssen die Protagonisten ihre Ängste abschütteln und über sich selbst hinauswachsen. Bis sie erkennen, dass sie das Gesuchte längst in sich tragen.

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