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Alexa Hennig von Lange: „Leute, ich fühl' mich leicht“ : Die Angst vor dem Essen

  • -Aktualisiert am

Bild: cbt

Sieben Jahre nach dem Jugendliteraturpreis für ihren Roman „Ich habe einfach Glück“ hat Alexa Hennig von Lange ein zweites Buch mit ihrer frechen, eigensinnigen Heldin Lelle geschrieben. Mit einem beunruhigenden Thema.

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          Es fällt leicht, sich in Lelle zu verlieben, frech, selbstironisch und eigensinnig, wie sie ist. Vor sieben Jahren wurde die Autorin Alexa Hennig von Lange für ihren Roman „Ich habe einfach Glück“, in dem Lelle die Hauptrolle spielt, mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Jetzt, im Nachfolgeband „Leute, ich fühl' mich leicht“, muss Lelle den Verlust ihres Freundes Arthur überwinden, der sich nach Afrika abgeseilt hat, um Lehmhütten zu bauen, und in der Familie der Fünfzehnjährigen herrscht das bereits vertraute Chaos: die Mutter ein Nervenbündel, der Vater pflichtvergessen, die große Schwester Cotsch ein männerfressendes Biest. Unterschwellig entwickelt sich daraus bei Lelle eine Kontrollsucht, die sich im Hungern manifestiert: „Das hat nichts mit unserem Schönheitsideal zu tun“, erklärt sie: „Es geht um Autonomie. Mein Körper ist das letzte unbesetzte Gebiet, quasi eine unabhängige Provinz.“

          Lelle will Grenzen überschreiten. Sie läuft, erzählt sie, „immer am Rand des Abgrunds“, und dass sie ein gefährliches Spiel treibt, weiß sie wohl auch. Aber wie kommt man da wieder heraus? „Leute, ich habe wirklich Angst vor dem Essen, mehr als vor dem Sterben.“ Beim Lesen solcher Sätze fühlt man sich ebenso beunruhigt wie hilflos.

          Zwischen Ekel und Triumph

          Dabei ist es der Autorin gelungen, ihren Text durchaus an Klischees vorbeizumanövrieren. Die Gründe für Lelles Krise sind nachvollziehbar, zudem liegen die Mechanismen einigermaßen offen. Das hohe Maß an Selbstbeherrschung, das Lelle sich auferlegt, bewertet sie als Leistung. Sie ekelt sich vor magersüchtigen Mädchen - aber ihre eigenen herausstehenden Knochen bedeuten für sie einen Triumph.

          Das ist beklemmend, vor allem vor dem Hintergrund eines im Tonfall und in der Erzählweise äußerst unterhaltsam inszenierten Romans, in dem Komik und Tragik fest miteinander verwoben sind, zumal Lelle in den meisten Dingen eine äußerst aktive Rolle einnimmt. Als sie ihren späteren Schwarm Johannes das erste Mal sieht, hört sich das so an: „Ich grinse zurück, und am liebsten würde ich sofort meine Hand auf seine Oberschenkel legen und hauchen: ,Ich liebe dich!' So sympathisch ist er mir.“ Nicht nur in solchen Passagen wird deutlich, dass bei Lelle nicht alles verloren ist. Wie sollte es auch - der Roman ist Teil einer neuen Jugendbuchreihe, die im Halbjahrestakt erscheinen wird.

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