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Chronik eines Terror-Prozesses : Kämpfer des Islamischen Staates in Zeitarbeit

  • -Aktualisiert am

Gerichtszeichnung aus dem Pariser Prozess, 30. März 2022, im Zentrum Salah Abdeslam Bild: AFP

Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère veröffentlicht in Frankreich seine eindrucksvolle Chronik des Prozesses zum Pariser Terror vom 13. November 2015.

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          Seit zwei Jahren arbeitet die französische Öffentlichkeit die Horrorjahre 2015/16 juristisch auf. Der Prozess zum „Charlie Hebdo“-Attentat fand von September bis November 2020 statt. der zum Nizza-Attentat hat am 5. September, begonnen. Dazwischen lag das spektakulärste, den Attentaten von Bataclan und Stade de France gewidmete Verfahren: das zu V13 (das Kürzel für „vendredi 13“: Freitag, der 13. November 2015). Es sollte exemplarisch werden, weil es mit Salah Abdeslam einen überlebenden Täter gibt. Diesen von September 2021 bis Ende Juni 2022 laufenden Mammutprozess hat der Schriftsteller Emmanuel Carrère für das Nachrichtenmagazin „L’Observateur“ begleitet. Seine „Ge­richtschronik“, wie er es nennt, ist nun gesammelt als Buch erschienen: Wie die Comics der ehemaligen „Charlie“-Redakteure Luz und Catherine Meurisse oder das Buch „Der Fetzen“ ihrs Kollegen Philippe Lançon belegt „V13“, dass der Terror als Gegenreaktion Gutes hervorgebracht hat: eindrucksvolle Kunstwerke, die ihn widerlegen.

          Auf den ersten Blick überrascht, dass ein Autor, der jüngst erst mit dem Roman „Yoga“ von sich reden machte (F.A.Z. vom 16. März), einen Terrorismusprozess verfolgt. Tatsächlich sind dessen zentrale Themen auch essenziell in Carrères Werk: Glaube, Fanatismus, plötzliche Gewalt durchziehen es als Faszinosa, Beschäftigungen, Probleme. Die zweite Schaffensphase des Schriftstellers setzte überhaupt erst mit dem Mordprozess gegen Jean-Claude Romand ein, den er journalistisch begleitet hat; daraus entstand „Der Widersacher“ (2000), ein Wendepunkt für Carrère, der seitdem eine eng mit der Faktualität verwobene Fiktion entwickelt.

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