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Jonathan Safran Foers Klimabuch : Wo waren Sie, als Sie sich entschieden haben?

Jonathan Safran Foer Bild: Alberto Cristofari/contrasto/laif

Wir können nicht unsere vertrauten Mahlzeiten und zugleich unseren vertrauten Planeten behalten: Jonathan Safran Foer will in „Wir sind das Klima!“ die Welt retten. Aber warum klingt das so zögerlich?

          4 Min.

          Dieses Buch, schreibt der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer, handelt von den Auswirkungen landwirtschaftlicher Tierhaltung auf die Umwelt. Es sei weder eine umfassende Erläuterung des Klimawandels noch eine kategorische Verurteilung des Verzehrs von Tierprodukten. Es befasse sich mit einer Entscheidung, die die Krise des Planeten uns abverlange: Wir können nicht unsere vertrauten Mahlzeiten und zugleich unseren vertrauten Planeten behalten. Eins davon müssen wir aufgeben. So einfach und so schwierig sehe es nun mal aus: „Wo waren Sie, als Sie sich entschieden haben?“

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wo genau – möchte man zurückfragen – steht aber Jonathan Safran Foer? Wofür entscheidet er sich in seinem neuen Buch „Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können“, das in dieser Woche weltweit in mehreren Sprachen erscheint?

          Es ist inzwischen neun Jahre her, dass Foer, dessen letzten Roman „Hier bin ich“ man für sein Tempo und seinen Witz eigentlich nur bedingungslos bewundern kann, schon einmal ein Sachbuch geschrieben hat: „Tiere essen“. Während der Recherche war er nachts in Mastbetriebe eingebrochen, hatte auf Schlachthöfen daneben gestanden, wenn eine Kuh zerlegt wurde, hatte mit Farmern und Tierrechtlern gesprochen und war selbst zum Vegetarier geworden. Dass wir das Klima ändern müssen und dass Viehzucht, was die Umwelt angeht, die zerstörerischste Industrie der Welt sei, schrieb er schon damals. Dass es nicht mehr akzeptabel sei, nicht zu fragen, wo das Essen herkomme. Er schrieb es mit einer Dringlichkeit, die dazu führte, dass viele seiner Leserinnen und Leser nach der Lektüre von „Tiere essen“ zu Vegetariern wurden. Er war so umgetrieben von seinem Sujet, dass es ihm gelang, andere mitzureißen.

          Der Eifer der Veganer

          Und genau diese Dringlichkeit fehlt ausgerechnet jetzt, wo Klimaschutz politisch zum wichtigsten Thema geworden ist. „Wir sind das Klima!“ ist ein unerwartet zögerliches Buch. Siebzig Seiten lang verwendet Jonathan Safran Foer darauf, nicht zur Sache zu kommen, also ausdrücklich nicht zu benennen, worum es ihm geht. Er sei ein Bewunderer von Al Gore, schreibt er, dessen Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ für ihn eine intellektuelle und emotionale Offenbarung gewesen sei. Als die Leinwand nach den letzten Bildern schwarz wurde, sei ihm die Lage sonnenklar gewesen, und ebenso seine Pflicht, etwas zu tun.

          Doch klaffe in Al Gores Erzählung eine eklatante Lücke, und was da fehle, sei auch 2017 in der Fortsetzung „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ unsichtbar geblieben. Gemeint ist der Zusammenhang von Tierhaltung, Ernährung und Umwelt. Foer macht es in seinem neuen Buch wie Gore. Er hält es für die beste Strategie, das Thema erst mal zu umschiffen, „aus Angst, dass sich damit kein Blumentopf gewinnen“ lasse: „Diskussionen über Fleisch, Eier und Milchprodukte bringen die Leute auf die Barrikaden. Sie gehen ihnen auf die Nerven. Kein Nicht-Veganer hat darauf große Lust, und der Eifer der Veganer kann einem noch den letzten Spaß daran verderben.“

          So schreibt er also ein Buch über das Klima, will uns verschonen und uns (er spricht uns direkt an) eigentlich auch die Wahrheit sagen: „Aber wir haben keine Chance, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, wenn wir nicht offen über seine Ursachen sprechen – und darüber, wie wir uns ändern können.“ Da wird man ziemlich ungeduldig. Wer will schon in Watte gepackt werden? Wozu auch, wo es doch um Zusammenhänge geht, die die aktuelle politische Diskussion längst bestimmen? Mit „Tiere essen“ mag Jonathan Safran Foer vorne dran gewesen sein, jetzt ignoriert er nicht nur die Klimaschutzdebatte, sondern auch eine globale politische Bewegung wie „Fridays for Future“, die in seinem Buch gar nicht vorkommt.

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