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Eric Weiners „Geographie des Glücks“ : Der Kompass weist aufs Glücksgefühl

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Eric Weiner ist ein amerikanischer Journalist. Er ist für den Radiosender National Public Radio viel im Ausland gewesen, in dreißig Ländern, und war unter anderem zwei Jahre lang in Indien. Dass ein Amerikaner über das Glück schreibt, liegt im Rahmen der amerikanischen Verfassung, als das Recht, nach seinem Glück zu streben.

          Hinzu kommt bei Eric Weiner eine psychische Disposition, die als Motiv für seine Glückssuche schon hinreichend genug wäre. Er hält sich für ausreichend griesgrämig, um nach einem Grund für seine temporäre Stimmungsflaute zu fahnden. Dieser Selbsteinschätzung, die auf einer langen Erfahrung beruhen wird, widerspricht sofort der Eindruck, den sein Buch hinterlässt: Weiner scheint im Grunde ganz guter Dinge zu sein. Er ist kein Witzbold, aber er muss über eine große Portion guter Laune verfügen, denn anders lassen sich die wie Kartoffeln in regelmäßigen Abständen in die Satzfurchen gelegten Pointen und der lockere Stil nicht erklären.

          Strenge Glücksgrübler werden es mit Weiners Buch deswegen nicht leicht haben, das eines der besten ist, die, ganz sicher in diesem Jahr, über das Glück geschrieben worden sind. Weiner hätte daheimbleiben und dort mit klugen Büchern über das Glück nachdenken können. Er gehört nun aber zu all den Leuten, die, wenn sie einmal etwas machen, was sie nicht immer machen, es dann so machen, wie sie alles immer machen. Sie sind im Besitz einer bewährten Methode, wie sie die Dinge angehen.

          Ein reisender Laien-Ethnograph

          Weiner ist Journalist, mithin mit einem eher flächendeckenden Ausdrucksvolumen bedacht, und kein schaufelnder Philosoph. Eine Theorie des Glücks zu schreiben hätte für ihn wahrscheinlich bedeutet, sich in einer ihm nicht geläufigen Gegend zu verlaufen, auch wenn er während seiner Exkursionen hier und dort selbstbewusst bekennt, schon über vieles nachgedacht zu haben. Von Berufs wegen muss ihm die Idee nahegelegen haben, aus dem ihm zugänglichen und insofern wahrscheinlich häuslich anmutenden Gedankenkreis herauszutreten, das heißt aus der weitläufigen Frage nach dem Glück, dem beim landläufigen Nachdenken gerne die Konturen verlorenzugehen drohen, ein beschränktes, aber deswegen deutlich umrissenes Reiseprogramm zu machen: die Suche nach den zufriedensten Menschen der Welt, wie es im Untertitel des Buches etwas vollmundig heißt. Glücklicherweise kam ihm dabei ein Niederländer zur Hilfe.

          Der Titel des Buches „Geographie des Glücks“ ist schön, aber nicht ganz richtig. Weiner beschreibt nicht die Erde mit Berg und Tal. Vielleicht muss man sagen, dass er eher als eine Art Laien-Ethnograph unterwegs ist. Doch eine „Ethnographie des Glücks“ ist sein Buch auch nicht geworden, dafür erfährt man letztendlich zu wenig über die Bräuche des Landes, in dem er gerade weilt. Und was man im Einzelnen davon erfährt, wird gleich wieder in bewährter Manier flächendeckend aufgeschüttelt, damit daraus so etwas wie eine kleine Glückserdkunde werde, deren Aussagen auf eine Stufe gestellt werden können zum Beispiel mit der Tatsache, dass es in diesem Land jährlich weniger regnet als in jenem. Insofern hat die Geographie im Titel ein gewisses Recht.

          Manche sind zu arm für den globalen Glücksluxus

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