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Neuer Asterix-Band : Schnell fertig ist die Jugend mit dem Ort

Sie werden im Dorf bleiben und sich nicht mit Adrenaline davonmachen: Selfix (links) und Aspix, die Söhne von Automatix und Verleihnix. Bild: Egmont Ehapa Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Die seltsame Niederlage: Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erfinden für ihr viertes Asterix-Album die Geschichte der Tochter des besiegten Helden von Alesia, um vom Widerstand der Jugend zu erzählen.

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          Wir wissen nicht, wo dieses Alesia ist. Wir kennen die Stadt aus „Asterix“. Aber auf der Karte Galliens im Jahr 50 vor Christus, die man in jedem Album findet, ist der Ort der Entscheidungsschlacht zwischen Caesar und Vercingetorix nicht eingezeichnet. Aus „Asterix und der Arvernerschild“ wissen wir, dass Alesia ein Ort der Art ist, für die der Historiker Pierre Nora den Begriff des Erinnerungsortes, „lieu de mémoire“, geprägt hat. Wir konnten das Konzept verstehen, ohne das Wort zu kennen, weil die exemplarische Beschreibung des Phänomens durch René Goscinny und Albert Uderzo der terminologischen Fixierung Noras um Jahrzehnte zuvorkam. Alesia ist ein Schicksalsort der nationalen Erinnerung. Nicht alle Topoi des kollektiven Gedächtnisses sind Orte im Wortsinn, aber im Bild des Raums kann man sich die Funktionsweise dieses Gedächtnisses besonders gut veranschaulichen. Der Schauplatz der Niederlage des Vercingetorix gehört zu den Orten, um welche die Nation einen Bogen macht: Dem Streit der Archäologen um die Lage des historischen Alesia gaben Goscinny und Uderzo eine psychologische Deutung.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Am Anfang des allerersten Asterix-Albums steht eine Szene der Übertragung des traumatischen Schmerzes der Verlierer – der doppelten Übertragung: auf den Sieger und in den Witz. Vercingetorix, in Rückenansicht gegeben, wirft Caesar seine Waffen vor die Füße und tut das mit so trotziger Wucht, dass der Römer vor Schmerz aufschreit. Hier hat der Stärkere gesiegt, aber nicht unbedingt der Härtere.

          Jean-Yves Ferri und Didier Conrad: „Die Tochter des Vercingetorix“. Asterix Band Nr. 38. Egmont Ehapa, Berlin 2019. Br., 48 S., 6,90 €
          Jean-Yves Ferri und Didier Conrad: „Die Tochter des Vercingetorix“. Asterix Band Nr. 38. Egmont Ehapa, Berlin 2019. Br., 48 S., 6,90 € : Bild: Egmont Ehapa

          Noch in den sechziger und siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts muss in den französischen Schulbüchern die Geschichte des Vercingetorix mit einer sehr ähnlichen Abbildung illustriert worden sein, einem puren Phantasieprodukt. Das erzählen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, die als von Uderzo adoptierte Erben seit dem Album Nr. 35 für Text und Bild der neuen Asterix-Abenteuer verantwortlich zeichnen, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es gab ein kleines Bild von Vercingetorix, aber das war völlig falsch.“

          Nur eine zufällige Entdeckung

          Die sprichwörtliche Wendung „Unsere Vorfahren, die Gallier“ haben Ferri und Conrad zwar noch im Ohr, aber die Geschichte der Gallier war im Unterricht ein so kurzes Kapitel, dass sie – ganz wie wir, ihre deutschen Leser – ihr Wissen zum Thema hauptsächlich der Asterix-Lektüre verdanken und nicht der Schule. Beide wurden 1959 geboren, als die erste Asterix-Geschichte erschien.

          Sie müssen unverbrauchte Stoffe für einen Sagenkosmos finden, der den Eindruck einer vollständigen Welt macht, nicht nur weil der Kanon der 24 von Goscinny und Uderzo gemeinsam geschaffenen Alben vom gallischen Mittelpunkt aus den Erdkreis ausschreitet, bis an die korsische Peripherie. Kanonpflege durch Rückkehr zu beliebten Topoi betrieb Uderzo in den von ihm allein signierten Bänden. Die Ursprungsidee des neuen, heute erscheinenden Albums, berichten Ferri und Conrad, war Vercingetorix, die Nebenfigur, die als Gründungsheld an der Schwelle der Geschichte des gallischen Dorfes steht – auch in dem Sinne, dass er bislang außen vor geblieben ist. Keineswegs betreibt das Dorf einen Vercingetorix-Kult, dem Besiegten haben die Unbesiegten kein Denkmal errichtet, wie es am vermuteten Ort des historischen Alesia steht. Dass Majestix sich seine ganze Häuptlingskarriere lang auf den Schild heben lässt, den Vercingetorix vor Caesar hinschleuderte, wird im Album mit dieser Trophäe im Titel nur zufällig entdeckt.

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