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Neuer Asterix-Band : Schnell fertig ist die Jugend mit dem Ort

Der biopolitische Spiegel des Generationenkonflikts

Ferri und Conrad war schnell klar, dass sie Vercingetorix nicht in eigener Person auftreten lassen durften, „weil sich um ihn ein Mythos gebildet hat“. Von den Fiktionen der nationalistischen Historiographie sprechen sie mit amüsiertem Befremden, als waghalsigen Erfindungen, die im Comic nie als glaubwürdig durchgehen würden. Frechheit siegt nicht für alle Zeit. „Einige Historiker haben seltsamerweise den gallischen Ursprung der französischen Identität auf Vercingetorix und die Niederlage zurückgeführt“ – obwohl es jeder Wahrscheinlichkeit widerspricht, dass eine Niederlage traditionsbildend und einheitsstiftend gewirkt haben soll.

Das neue Album zitiert die Szene der gewaltsamen Waffenniederlegung und weist sie als Zitat aus, indem Conrad sie in Sepiatönen koloriert hat, wie Fotos in einem alten Familienalbum. Wir sehen Vercingetorix nun auch von vorn und neben ihm eine Person, die wir nicht kennen: seine Tochter, die der Arvernerkönig vor der Stammesöffentlichkeit verbarg wie François Mitterrand seine Tochter aus der Verbindung mit Anne Pingeot. Im Gespräch erwähnen Conrad und Ferri, dass Mitterrand seiner Tochter einen gallischen Namen gab: Mazarine. Sie haben die Tochter des Vercingetorix Adrenaline genannt, um den Widerstandsgeist ihrer Heldin, die sich der ihr von den politischen Erben des Vaters zugedachten nationalen Einigungsmission verweigert, als Naturkraft zu kennzeichnen. Ferri und Conrad kam es auf die „Parallele zwischen dem Widerstand gegen die Römer und dem Widerstand der Jugend“ an, die den Dorfälteren ökologische Bilanzen des Lebens in der antirömischen Revolte präsentiert. Die von Goscinny und Uderzo parodistisch verewigte Résistance blickt in den biopolitischen Spiegel des Generationenkonflikts.

Ohne das Traumland ihrer Vormünder zu betreten

Adrenaline soll sich im Dorf verstecken, weil Caesar sie zur Römerin erziehen will. „Sie ist die Erbin der gesamten gallischen Vergangenheit“, erläutert Conrad. „Und wenn sie romanisiert wird, ist es damit vorbei.“ Allzu virulent wirkt die Gefahr einer kulturellen Romanisierung der Gallier allerdings nicht mehr, ganz im Gegensatz zum „Kampf der Häuptlinge“. Eher haben sich die Römer ins barbarische Leben gemischt. Der römische Admiral hat einen gotischen Adoptivsohn.

Leider hat auf Conrad und Ferri der unpolitische Geist der skeptischen Generation abgefärbt, die sie in der im Kanon nur selten im Hintergrund sichtbaren Dorfjugend ausmachen. Schlägereien auf der Galeere und dem Piratenschiff, sozusagen die Stockfotos im Asterix-Album, verdrängen die Satire in der Manier Goscinnys. Adrenaline kehrt Gallien den Rücken, ohne das Traumland ihrer Vormünder betreten zu haben. Wir wissen nicht, wo dieses Alesia liegt.

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