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Biographie über John Williams : Kann man Autor und Figur trennen?

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Den Ruhm, den er verdient hat, erlebte John Williams (1922-1994) nicht mehr. Aber an der Universität war er erfolgreich - und beliebt. Bild: Denver University Archives

Der Mann, der „Stoner“ war: So beschreibt Charles J. Shields den Schriftsteller John Williams in einer Biographie, die ihre Bewunderung nicht verbirgt.

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          Mit dem Untertitel „,Stoner‘ und das Leben des John Williams“ gibt Charles J. Shields seiner Biographie des Schriftstellers die Richtung vor, und mit dem Titel „Der Mann, der den perfekten Roman schrieb“ klärt der Biograph von vornherein, wie er sich diesem modernen Klassiker der amerikanischen Literatur nähern will: bewundernd. Ein Romanheld kann im Glücksfall ein überzeugendes Selbstporträt des Autors sein. Ohne Zweifel trägt „Stoner“ – so heißt der tragische Held des Hauptwerks – viele Züge seines Erfinders, und vielleicht macht ihn gerade das so eindrucksvoll. Williams hat Stoner intensiv und geradezu liebevoll beschrieben, als malte er sein Selbstbildnis. Außer dem gleichen Berufsfeld (einem College in Colorado) gibt es noch andere Parallelen und viel Wesensverwandtes zwischen dem Autor und seiner Romanfigur. Aber eine tragische Existenz wie sein asketischer und stoisch leidender „Stoner“ war Williams nicht. Er konnte sich wehren, auch fröhlich sein und das Leben genießen. Zu oft allerdings nur mit Hilfe von Alkohol.

          Willams kam aus finanziell ähnlich engen Verhältnissen wie sein Stoner. Er schlug sich durch als Radiosprecher, Hörspielautor und schließlich auch als Teilhaber eines Kleinverlags. Erst ein Stipendium für Kriegsveteranen ermöglichte ihm den Hochschulabschluss. Während des Kriegs war er Funker in Langstreckenflugzeugen gewesen, die den tonnenschweren Nachschub für die amerikanischen Bodentruppen in China, Indien und Indonesien lieferten. Über traumatische Eindrücke wie einen Absturz über dem Dschungel hat er immer nur bruchstückhaft berichtet. Unter Alkoholismus, Folge traumatischer Erfahrungen in einem grausamen Krieg, litten viele Soldaten. Sie hatten mit ansehen müssen, wie die zivile Bevölkerung nicht nur durch militärische Aktionen, sondern auch an Hunger starb.

          Auf Williams’ erste lyrische und erzählerische Werke reagierte die Kritik nur mit zögerndem Beifall. Für seinen Roman „Nichts als die Nacht“ musste er lange nach einem Verlag suchen und sich zeitweise als Gasableser oder Tankstellenmitarbeiter durchschlagen. Ohne den Verdienst seiner zweiten Frau hätte er die Familie nicht durchbringen können (die erste Ehe mit einer Studentin, die er, erst zwanzig Jahre alt, übereilt geschlossen hatte, war nach kurzer Zeit bereits geschieden worden). Dass die Universität Denver Kriegsteilnehmern die Möglichkeit bot, ihre Studien zu beenden, war für ihn nicht nur berufliches Glück. In Denver lernte er Alan Swallow kennen, einen Liebhaberverleger von ambitiöser Literatur, der außerdem Dozent war und für die Veröffentlichungen der Universität zuständig. Williams’ erste Bücher kamen in kleiner Auflage, zum Teil als Handdrucke, bei Swallow Press heraus. Bald war er Teilhaber des Verlags.

          Ein Verlag in der Garage

          In Denver schloss sich Williams dem Kreis um Yvor Winters an, einen Spezialisten für elisabethanische Lyrik. Als „Weiser von Palo Alto“ und der literarischen Richtung des Southern New Criticism war Winters berühmt und hochgeachtet. Mit seiner Frau Janet Lewis freundete sich Williams an. Er bewunderte ihren Roman „Eine Frau, die liebte“. Bald leitete er einen Kurs für kreatives Schreiben. Aber mehr und mehr übernahm er auch die Hauptarbeit für die Swallow Press. Der Verlag war in einer Garage untergebracht, die sowohl als Lager als auch als Werkstatt für die Handdruckmaschine diente.

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