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Wolfgang Jacobsen & Heike Klapdor (Hgg.): In der Ferne das Glück : Die Leiden unheilbarer Europäer in Hollywood

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Es gibt unerträglichen Kitsch, meist religiöser Prägung, und es gibt erträglichen wie zwei habsburgische Melodramen, Gemeinschaftsarbeiten von Joseph Roth und Ernst Mittler. Daneben eine kuriose Phantasmagorie von Heinrich Mann, die klingt, als hätten sich Terry Gilliam und Quentin Tarantino - beide nicht ganz nüchtern - am Telefon einen Zehnteiler für Peter Jackson ausgedacht. Nach so viel Konfektionsware und gutgemeinten Botschaften, von denen einige selbst durch die Greuel des Zweiten Weltkriegs kaum zu entschuldigen sind, ist man dankbar für jede Maßarbeit - auch wenn sie in kein denkbares Filmformat passen würde.

Für Interessierte der Filmgeschichte

Joseph Roth, der auch als Kritiker amerikanische Filme zu schätzen wusste, hat gültig formuliert, was ein Film „unter keinen Umständen sein“ darf: „langweilig“. Eher schon mag man verzeihen, wenn deutschsprachige Autoren sich das amerikanische Publikum genauso vorstellen wie das europäische, das sie kennen, und schon ihr Personal so aufstellen, wie sie es gewohnt waren. Allzu oft sieht man geradezu Hans Albers oder Heinz Rühmann vor sich - Humphrey Bogart oder Groucho Marx möchte man sich in solchen Rollen nicht vorstellen.

Wer sich dafür interessiert, wie man „Geschichten für Hollywood“ zubereitet, kann wenig lernen aus diesem Buch, wer sich dagegen mit Filmgeschichte beschäftigt, lernt eine Menge, gerade aus dem umfangreichen Anmerkungsteil, der erfreulich kritisch mit seinen Sujets umgeht.

Die betrügerischen Absichten der Kulturindustrie

Bewundernswert bleibt, mit welcher Geduld Paul Kohner diese untauglichen Versuche ertragen und vertreten hat, wohlwissend, dass ihre Chancen auf eine Annahme gering stünden. Dabei sind einige seiner Klienten durchaus anspruchsvoll und reagieren beleidigt, da sie offenbar erwartet haben, in Hollywood als Lehrmeister und Heilsbringer willkommen geheißen zu werden, geschickt, um den „Schmarrn“ (Luis Trenker) der amerikanischen Filmindustrie zu veredeln. Andere beklagen sich über „die grässliche Behandlung“ ihrer Person, leiden unter der extrem arbeitsteiligen Produktionsweise des hochspezialisierten Studiosystems der vierziger Jahre, die sich mit ihrem authentischen Genie- und Kunstbegriff kaum vereinbaren ließ.

Die Urteile über die betrügerischen Absichten der „Kulturindustrie“, wie sie Adorno und Horkheimer in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ gefällt haben - ein Werk, das ja ebenfalls im Exil in Los Angeles entstanden ist -, hätten vielen als Erklärung und Entschuldigung für die erfahrene Ablehnung und eigenes Versagen dienen können. So bleibt ihnen nur Verachtung für jene, die, den „Gehaltsscheck im Maul“ (Fritz Kortner), anpassungsbereiter und erfolgreicher waren als sie.

Angebot und Nachfrage

Wenn Bertolt Brecht sich einreihte in „die Reihen der Verkäufer“, tat er das angeblich: „hoffnungsvoll“. Die Ironie ist diesem Attribut so deutlich anzusehen bei einem Autor, der sich gleich hinter Bach und Dante anstellte, dass seine Attitüde auch in Hollywood durchschaut werden musste - gerade hier, wo doch angeblich alle mit ihren Lügen „auf den Strich gehen“.

Seine prüde Verachtung für das Handwerk des Drehbuchschreibens und die Leute, die sie ihm abkaufen sollen, teilte Brecht offenbar nicht nur mit vielen seiner deutschsprachigen Kollegen; wie haltbar sie ist, beweisen viele Vertreter der hiesigen Filmkritik, die heute noch gern die Nase rümpfen, wenn sie erfolgreiche Filme aus Hollywood nicht gleich gänzlich ignorieren. Darunter leiden neben deutschen Filmkritiken auch die meisten der hier erstmals vorgelegten Szenarios.

Ohne die objektiven Schwierigkeiten der „unheilbaren Europäer“ (Kohner) im fernen Hollywood zu bagatellisieren, diesen Vorwurf kann man keinem Verkäufer ersparen, der so offensichtlich nicht bereit ist, auf ungewohnte Bedingungen und die Bedürfnisse seiner neuen Kundschaft einzugehen. Dass die Entscheidung, ob ein Film gedreht wird, von denen abhängt, die ihn finanzieren sollen, mag man bedauern - in Anbetracht des Aufwandes an Geld und Zeit wird man dies irgendwann akzeptieren müssen. Unterstellt man im Umkehrschluss, die europäischen Anbieter hätten sich auf die minderwertigen Ansprüche und das mangelnde Urteilsvermögen ihrer potentiellen Abnehmer in vorauseilender Selbstbeschränkung eingestellt, ist der Fehler noch weit gravierender: Wer die Intelligenz seines Publikums unterschätzt, darf sich über fehlende Gegenliebe nicht beklagen. 

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