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Wolf Wondratschek: Das Geschenk : Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss

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Die Reife steht ihm gut: Wolf Wondratschek kehrt zu seinem alten Helden Chuck zurück, der inzwischen erwachsen ist und einen vierzehn Jahre alten rebellischen Sohn hat. Mit „Das Geschenk“ beschert er uns und sich pure Lebens- und Lesefreude.

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          Chuck ist, wie nicht wenige von Wolf Wondratscheks Lesern auch, mittlerweile in die Jahre gekommen: Chuck aus „Chuck's Zimmer“, Wondratscheks im Jahre 1974 erschienenem eminent erfolgreichen Gedichtband. Damals, in einem anderen Jahrtausend, konnte das dicht mit Begehrensblicken auf flanierende Mädchen ausstaffierte Gedicht „Warum Gefühle zeigen?“ noch mit den Versen enden: „Chuck, der sein Kind liebt, / das nie zur Welt kommen wird“. Jetzt aber, in Wondratscheks neuer Erzählung „Das Geschenk“, ist Chuck 62 Jahre alt, hat einen vierzehnjährigen Sohn und zeigt erstaunlich viele Gefühle, die meisten davon höchst positiver Art. Dies Buch ist, mit einem Wort, das ideale Geschenk für alle ergrauenden und ergrauten Herren, die unvermutet in die Situation geraten sind, doch noch Vater zu werden; es wird ihnen viele Ängste nehmen. Denn das Geschenk, das es im Titel führt, ist eben das eigene Kind. Und damit nicht weniger als das eigene Leben.

          Natürlich finden sich auch in diesem Buch, damit der Leser nicht vergisst, wen es zum Verfasser hat, einige kernfeste Machomaximen aus dem verflossenen Millennium: „Es war nicht nötig, von Frauen mehr wissen zu wollen, als was die Augen wissen.“ Aber sie sind selten und erinnern ein wenig an die Sprüche eines netten alten Onkels, der gelegentlich daran erinnern möchte, was für ein doller Hecht er einmal gewesen ist. Im Übrigen demontiert Wondratschek selbst das Machotum seines Chuck in einer hinreißenden Episode, in der dieser seine bewährten Verführungskünste ausgerechnet mit heruntergelassener Hose in der Praxis einer attraktiven Urologin, die aufzusuchen ihn ein unangenehmes Problem gezwungen hat, zur Anwendung zu bringen sucht und dabei kläglich scheitert. Da ist es doch angemessener, sich zur Vaterrolle zu bekennen.

          Ein Mann ist ein unfertiges Kind

          Wondratschek erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich ganz und gar darauf eingerichtet hatte, als ein unangepasster Einzelgänger zu leben. Vater zu werden war für so einen wie Chuck nicht einmal eine Denkmöglichkeit, denn Chuck wollte schon immer Schriftsteller werden, und das setzte für ihn die Fähigkeit zum Alleinsein und zum „rücksichtslos eigensinnigen Leben“ voraus. Aber dann passierte es eben doch, und nun erzählt Chuck also mit der rauhen Zärtlichkeit eines alten Boxers von dem Wichtigsten in seinem Leben: von seinem Sohn und der „ihn überraschenden Stärke seines Gefühls zu einem Kind, das zu haben er sich nie hatte vorstellen können“.

          Jetzt sitzt ihm dieses Kind gegenüber: vierzehn Jahre alt (bekanntlich kein gutes Alter), maulfaul, mürrisch, so rücksichtslos eigensinnig, wie es der Alte immer sein wollte, und an dessen weltweisen Belehrungen über die Nützlichkeit einer guten linken Geraden schon deshalb von Herzen desinteressiert, weil es genau weiß, dass sein Vater so richtig erwachsen auch nie geworden ist. „Ein Mann ist ein unfertiges Kind, und jedes Kind weiß das und nutzt diesen Vorteil rücksichtslos aus.“ Immerhin: Chucks Sohn findet ihn zwar gelegentlich peinlich, insgesamt aber „cool“. Keine schlechte Bilanz.

          Eine Mutter ohne Namen und Gesicht

          Aber so sentimental ist nicht einmal ein alter Boxer, dass er die Liebeserklärung an seinen Sohn für ein abendfüllendes Programm halten könnte. Wondratschek erzählt deshalb auch noch eine ganz andere Geschichte: diejenige nämlich, wie Chuck Vater geworden ist, und diese Geschichte weist manche Härten auf. Denn Chucks Sohn hat auch eine Mutter, und dass deren Figur in Wondratscheks Erzählung blass bleibt, bezeichnet präzise deren zentrale Härte: dass Chuck eine junge Frau benutzt hat, um sein eigenes Leben zu retten, wobei es ihm ziemlich egal war, dass er damit ihr Leben ruinieren könnte. Nach einer amour fou mit tödlichem Ausgang war Chuck auf den Hund gekommen: drogensüchtig, unproduktiv, aussichtslos.

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