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: Wie hängt alles zusammen und warum?

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Überall flirrt und flimmert es in Stefan Beuses Roman. Nicht nur das Wasser in sämtlichen Aggregatzuständen, das den motivischen Unterbau liefert, auch die Grenzen zwischen Figuren und Biographien, zwischen Orten und Zeiten verlieren sich in weißem Rauschen. Was mit einer halbwegs festgefügten Wirklichkeit ...

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          Überall flirrt und flimmert es in Stefan Beuses Roman. Nicht nur das Wasser in sämtlichen Aggregatzuständen, das den motivischen Unterbau liefert, auch die Grenzen zwischen Figuren und Biographien, zwischen Orten und Zeiten verlieren sich in weißem Rauschen. Was mit einer halbwegs festgefügten Wirklichkeit im Flugzeug zwischen Philadelphia und Ithaca beginnt, verflüssigt sich im Verlauf des Buches immer mehr.

          "Alles was du siehst" heißt Stefan Beuses Roman, und so heißt auch das Hauptwerk des Professors Lawrence Nunn, der den Erzähler an die Cornell University einlädt, um eine Biographie zu schreiben. Nunns Buch beschäftigt sich mit der sogenannten "spukhaften Fernwirkung", "ein bisher nicht geklärtes Phänomen der Quantenphysik: Offenbar können Teilchen so eng miteinander verbunden sein, dass schon die Messung des einen den Zustand des anderen beeinflusst - ganz gleich, wie weit in Raum und Zeit sie voneinander entfernt sind. Nunns Theorie besagt, dass die Partikel Teile einer höher dimensionierten Wirklichkeit sind, in der sie eine Einheit bilden", erklärt es die Studentin Laurabell. Viel mehr wird dem Erzähler sonst nicht erklärt, sein Auftraggeber bleibt im Dunkeln, alle geheimnissen herum und fordern ihn auf, alles weitere selbst herauszufinden.

          Die "spukhafte Fernwirkung", heute meist Quantenverschränkung genannt, gibt es tatsächlich. Erwin Schrödinger beschrieb das Phänomen, Albert Einstein prägte den spöttisch gemeinten Begriff, 1982 wurde die Theorie schließlich bewiesen. Die höher dimensionierte Wirklichkeit Lawrence Nunns hingegen ist fiktiv und gleichzeitig das dem Roman zugrunde liegende Erzählprinzip. Konkret bedeutet das: Mehrere Handlungsstränge und damit auch mehrere Personen hängen irgendwie zusammen, weshalb ihnen Dinge passieren, die sie sich nicht recht erklären können, weil sie wenig Erfahrung mit höher dimensionierten Wirklichkeiten haben. Professor Nunn schrieb sein Buch in Afrika am Strand, während seines Aufenthaltes ertrank seine Tochter im Meer und wurde nie gefunden. Nunn holt den Erzähler vorgeblich nach Ithaca, um über Aaron Singer zu recherchieren. Aaron wohnte in einer Hütte am See, wie der Professor. Lia, die Zwillingsschwester Aarons, ertrank in diesem See. Lia rätselte über das verschollene Detail eines Gemäldes, das wiederum in dem alten, unheimlichen Gemäuer hängt, in dem der Erzähler untergebracht ist. Und Kasey, die in einem Meerjungfrauenkostüm Werbung läuft, wird von einem Mann im Taucheranzug verehrt und entwickelt eine Vorliebe für Unterwassergeräusche, hat aber sonst wenig mit all dem anderen zu tun.

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