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: Weich wie ein Fels

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Der Wind hat dieses Lied erzählt: Ein Vogel verirrt sich, landet auf einer steinigen Insel weit draußen und wird von der nächsten Böe wieder fortgetragen. Fast nichts scheint geschehen, aber doch beginnt sich alles zu ändern: Die Felsen nämlich haben jetzt eine Sehnsucht in sich, vermissen die grazile Erscheinung.

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          Der Wind hat dieses Lied erzählt: Ein Vogel verirrt sich, landet auf einer steinigen Insel weit draußen und wird von der nächsten Böe wieder fortgetragen. Fast nichts scheint geschehen, aber doch beginnt sich alles zu ändern: Die Felsen nämlich haben jetzt eine Sehnsucht in sich, vermissen die grazile Erscheinung. Ein einfaches Lied ist das und deshalb ein wahres. Der Vogel könnte auch eine Frau sein, eine Ornithologin, nennen wir sie Junie Ooley, die allein eine Shetlandinsel bereist. Der Sturm streckt sie in der ersten Sekunde nieder, aber ein massiver, baumstarker Inselbursche nimmt sich beschützend ihrer an. Eine zarte Geschichte ist das und deshalb eine tragische. Vom Einzug der Liebe und des Schmerzes ins lebensfeindliche Milieu erzählt sie. T. C. Boyle wurde für "Windsbraut", erstmals 2003 im "New Yorker" erschienen, sehr zu Recht mit dem "O. Henry Award" für die beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnet. Nun hat die Büchergilde in ihrer Reihe "Die tollen Hefte" eine traumhaft schöne Edition herausgebracht, gestaltet von dem Illustrator Christoph Niemann, der unter anderem für den "New Yorker" arbeitet. Niemann hat die Anmut der Einfachheit durch eine einfache Anmutung gespiegelt: Alle Illustrationen sind im Blockstil der frühen Computergrafik gehalten, als die kleinste Pixeleinheit ein Textzeichen war. Ein Vogel besteht aus drei schwarzen Quadraten, die Sonne aus einem orangefarbenen. Dazu gibt es eine Inselkarte als ausfaltbare Beilage. Der Text selbst ist die geschwungene Lebenslinie, welche in diese kantige Welt eindringt. (T. C. Boyle: "Windsbraut". Aus dem Englischen übersetzt von Dirk van Gunsteren. Limitierte Auflage. Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2008. 32 S., br., Abb., 16,90.) oju

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