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: Was Menschen tun und sich antun

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Patricia Highsmith gilt heute als eine der bedeutendsten amerikanischen Autorinnen des vergangenen Jahrhunderts. In der großen Werkausgabe bei Diogenes sind nun die weniger bekannten Romane "Der Geschichtenerzähler", "Leute, die an die Tür klopfen" und ihr letztes, postum erschienenes Buch "Small ...

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          Patricia Highsmith gilt heute als eine der bedeutendsten amerikanischen Autorinnen des vergangenen Jahrhunderts. In der großen Werkausgabe bei Diogenes sind nun die weniger bekannten Romane "Der Geschichtenerzähler", "Leute, die an die Tür klopfen" und ihr letztes, postum erschienenes Buch "Small g - eine Sommeridylle" erschienen.

          Von Jochen Schimmang Patricia Highsmith hat in Gesprächen mehrfach betont, daß sie die Menschen nicht besonders mochte. In der Rezeption hat sich folgerichtig das Bild von der misanthropischen Schriftstellerin durchgesetzt, die in die Abgründe der menschlichen Seele vordrang. Dieses Bild ist gewiß nicht falsch, aber zu eindimensional. Es übersieht die Sympathie, ja die Zärtlichkeit, die die Autorin für ihre Figuren empfunden haben muß und die der Schlüssel für das Verständnis der Tiefen ihres Charakters ist. Selbst ein auf den ersten Blick so dümmlicher Gimpel wie Adams, der Missionar des American way of life in "Das Zittern des Fälschers", ist keine bloße Schießbudenfigur. Man muß sehr viel können, um an solcher Stelle so souverän das Klischee zu vermeiden wie Patricia Highsmith.

          Dieses Können bewährte sich nicht nur an den Psychopathen, Schizophrenen oder anderweitig in einem Wahnsystem Befangenen, denen ihr besonderes Interesse galt, sondern auch an vergleichsweise "normalen" Menschen. Arthur etwa, in dem 1983 erschienenen Roman "Leute, die an die Tür klopfen", ist ein ganz normaler Siebzehnjähriger aus der amerikanischen Provinz, der erfolgreich seinen Highschool-Abschluß macht und naturwissenschaftlich besonders begabt ist.

          Katastrophe als Befreiung.

          Es liegt nicht an ihm, daß er seinen Weg zunächst nicht so fortsetzen kann, wie er eigentlich vorgezeichnet ist: mit einem Stipendium an einer guten Universität. Es liegt auch nicht an der Tatsache, daß er seine Freundin Maggie geschwängert hat, die aus einem liberalen Elternhaus kommt und mit Wissen und Beistand ihrer Eltern abtreiben läßt. Vielmehr liegt es am Einbruch einer der vielen Spielarten amerikanischer Erweckungsbewegungen in Arthurs Familie. Sein Vater wird das Opfer jenes geldgeilen Missionarswesens, das im Mittelwesten der Staaten so erfolgreich ist - damals wie heute. Damals: Das ist das Amerika der Reagan-Jahre, in dem dieser Roman angesiedelt ist. Heute: Es macht nicht die geringsten Schwierigkeiten, ihn ins Amerika der Bush-Administration zu übersetzen.

          Arthurs Geschichte ist lange Zeit nichts anderes als ein Entwicklungsroman, der die schwierigen Bildungsprozesse seines jugendlichen Helden schildert. Treiben manche Highsmith-Romane erkennbar vom ersten Satz an auf die Katastrophe zu, so bricht in diesen das Unglück plötzlich und um so wuchtiger ein. Arthurs jüngerer Bruder, ebenfalls fromm geworden, erschießt seinen Vater, weil er diesen bei seiner Doppelmoral ertappt hat. In diesem Fünfzehnjährigen kommt der religiöse Fundamentalismus ganz zu sich selbst und der jugendliche Täter zunächst in ein Erziehungsheim. Auf Arthur selbst hat die Katastrophe eher eine befreiende Wirkung. Endlich tyrannisiert ihn sein Vater nicht mehr und legt ihm Steine in den Weg, und endlich ist er von seinem unerträglichen Bruder befreit. Diese Gefühle können wir als Leser ohne weiteres nachvollziehen, und sie erscheinen uns alles andere als monströs. Denn Arthur ist ein durchaus liebesfähiger junger Mann, der nach dem Tod seines Vaters seine Mutter zurückgewinnt, die er zu verlieren drohte, und seiner geliebten Großmutter noch näher kommt. Patricia Highsmith kennt die Grundregel, daß jeder Affekt berechtigt ist und es keine unkorrekten Gefühle gibt.

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