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Walter Helmut Fritz: Werke in drei Bänden : Immer einfacher, immer schwieriger

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Konzentration auf das Grundsätzliche im Beiläufigen: Das Werk von Walter Helmut Fritz erscheint zum achtzigsten Geburtstag in einer dreibändigen Ausgabe. Sie offenbart eine vor allem lyrische Schatzkammer - leider mit editorischen Mängeln.

          In den fünfziger Jahren, zumal nach dem Tod von Gottfried Benn und Bertolt Brecht, vollzog sich in der deutschen Lyrik ein Generationswechsel: Paul Celan und Ingeborg Bachmann, Enzensberger, Grass und Rühmkorf erregten mit ihren frühen Gedichtbänden großes Aufsehen, teils aufgrund des ästhetischen Rigorismus ihrer Gedichte, teils auch wegen der politischen Position ihrer Verfasser.

          Walter Helmut Fritz, der heute achtzig Jahre alt wird, gehört zu dieser Generation. In Karlsruhe geboren, hat er seit 1949 in Heidelberg Germanistik, Romanistik, Anglistik und Philosophie, unter anderem bei Gadamer, studiert und wurde anschließend Gymnasiallehrer in Karlsruhe. 1964 gab er diese Tätigkeit zugunsten einer freien Schriftstellerexistenz auf, lehrte jedoch bis 1987 gleichzeitig als Dozent für Deutsch als Fremdsprache an der dortigen Universität und war zwei Jahre lang Lektor im S. Fischer Verlag in Frankfurt. Nach langen Jahren in Karlsruhe lebt er jetzt in Heidelberg. Schon „Die Liebesgedichte“ (1999) und später den Band „Offene Augen. Gedichte und Aufzeichnungen“ (2007) besorgte für ihn Matthias Kußmann, ein versierter Literaturkenner und vertrauter Freund des Autors aus Karlsruhe, der nun auch für die Herausgabe seiner Werke verantwortlich zeichnet.

          Ein Werk abseits der Moden und Sensationen

          Die ersten Gedichte von Walter Helmut Fritz („Achtsam sein“ und „Bild + Zeichen“) erschienen in den fünfziger Jahren und wurden von Anfang an stark beachtet – es war eine gute Zeit für Lyrik. Aber anders als seine Generationsgefährten trug Fritz weder die sprachliche Eigenart seiner Gedichte noch seine politische Gesinnung zur Schau; er kam ohne Rhetorik, ohne kühne Experimente, ohne hermetisch anmutende Metaphern, ohne freche Sprüche und ironisch-parodistische Gesten aus. Sein Werk bewegte sich abseits von Moden und Sensationen. Und dabei ist es geblieben bis zu den jüngsten Gedichtbänden „Maskenzug“ (2003) und „Offene Augen“. Das heißt nicht, Fritz hätte als Lyriker keine Fortschritte gemacht. Am besten hat er selbst diese „Entwicklung“ im Titel seines 1987 erschienenen Gedichtbandes auf eine griffige Formel gebracht: „Immer einfacher, immer schwieriger“. In der Tat lässt sich im lyrischen Werk von Fritz der Prozess der zunehmenden Konzentration auf das Grundsätzliche im Beiläufigen beobachten.

          Man kann sich davon jetzt anhand der dreibändigen Werkausgabe überzeugen, die eben, gerade rechtzeitig zum achtzigsten Geburtstag des Autors, erschienen ist und deren erster Band die Gedichte in der chronologischen Abfolge seiner einundzwanzig Gedichtbände enthält. Der zweite Band versammelt die Romane und andere Prosawerke, die Fritz geschrieben hat, der dritte die wenigen dramatischen Werke (ein Hörspiel, ein Theaterstück) sowie die literaturkritischen Aufsätze.

          Gedichte von schlichter Eindringlichkeit

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