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: Vom Tête-à-tête zum Duell

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Auf manche bedeutsame Veränderung im Kleinen wird der Blick des Lesers behutsam gelenkt: So heißt etwa der Dichter (7. und 8. Dialog) in der Handschrift noch Richard, später ist der Name jedoch in Robert verändert - der einleuchtenden Deutung Rovagnatis zufolge, um die ursprünglich beabsichtigte Anspielung auf Schnitzlers Freund Richard Beer-Hofmann zu verwischen, der 1897 gerade im Begriff stand, durch die Heirat mit Paula Lissy endgültig vom Lebe- zum Ehemann zu mutieren.

Durch Anschaulichkeit in solchen Details gelingt es der Herausgeberin, ihre einführende Studie, obgleich diese ein literaturwissenschaftliches Kabinettstück darstellt, so aufzulockern, daß die Liebhaber der Dichtung sie wie einen Essay lesen können. Die Lebensumstände des Autors zur Zeit der Niederschrift lassen den "Reigen" als ein Werk der Krisen erscheinen: Immer unruhiger schwankte er zwischen der Entscheidung für eine Existenz als Arzt oder als Schriftsteller; der Ohrenspezialist erkannte, daß er selbst an einer fortschreitenden Otosklerose litt, und wußte, was das gerade für ihn als Musikliebhaber bedeutete; immer belastender war Schnitzler seine Unfähigkeit zur Treue geworden: Mizzi I, Mizzi II und viele andere Frauen mehr, bei deren einer, nämlich Marie Reinhard, um diese Zeit eine Schwangerschaft festgestellt worden war.

In einer Gründlichkeit, wie sie bisher nicht möglich gewesen ist, wird die Entstehungsgeschichte nachgezeichnet, werden Angaben in Schnitzlers Tagebuch mit Datierungen in der Handschrift verbunden, wird den Varianten des Werktitels und den wechselnden Genrebezeichnungen nachgespürt, deren früheste "Hemicyklus" lautete. Nicht ein vordergründiger Biographismus regiert hier, sondern Geschichtsschreibung der Literatur und strenge Philologie, ohne welche die editorische Arbeit von Textgewinnung und Variantendarstellung nun einmal nicht möglich ist. Ein paar Fotografien lassen kaum den Aufwand ermessen, den die Transkription von rund vierhundert Blättern erfordert haben muß, auf die Schnitzler mit seiner nervösen, übergroßen Hand jeweils nur wenige, oft schwer lesbare und mehrfach korrigierte Zeilen geworfen hat.

Man liest den "Reigen" hier nicht bloß in einer neuen Edition, man liest ihn neu. Erfreulicherweise hat der Verlag die Ausgabe, in der uns hier das bekannteste Werk eines seiner wichtigsten Autoren aus der Klassischen Moderne zum erstenmal in seiner Urfassung begegnet, auch durch eine ungewöhnlich schöne Buchgestaltung - vom Kolumnentitel bis zum Lesebändchen - angemessen gewürdigt.

HANS-ALBRECHT KOCH

Arthur Schnitzler: "Ein Liebesreigen". Die Urfassung des "Reigen". Herausgegeben von Gabriella Rovagnati. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004. 298 S., geb., 19,90 [Euro].

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