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Vereinigte Staaten - Virginia : Mark Z. Danielewski: „Das Haus - House of Leaves“

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„Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen. Seien Sie vorsichtig...” Bild:

Wenn man dieses Buch bis zur letzten Seite gelesen hat, ist es noch lange nicht zu Ende. Denn man muss erst wieder herausfinden, und das geht nur, indem man das Rätsel löst, das tief in ihm verborgen ist. Es wird allerdings nicht für jeden Leser das gleiche Rätsel sein, vielleicht sind es auch mehrere?

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          Wenn man dieses Buch bis zur letzten Seite gelesen hat, ist es noch lange nicht zu Ende. Denn man muss erst wieder herausfinden, und das geht nur, indem man das Rätsel löst, das tief in ihm verborgen ist. Es wird allerdings nicht für jeden Leser das gleiche Rätsel sein, vielleicht sind es auch mehrere oder viele. Doch dass für jedes einzelne davon irgendwo, in irgendeiner der vierhundertfünfzig Fußnoten oder in einem scheinbar nebensächlichen Stück der gut hundertdreißig Seiten Anhang oder sogar im grotesk ausführlichen Index ein Schlüssel zu finden ist - davon ist man überzeugt. Oder ist man nur davon besessen?

          "House of Leaves" von Mark Z. Danielewski ist ein unheimliches Buch, schon der Schutzumschlag sagt es und warnt den Leser vor dem Betreten. Der Umschlag hat recht, doch wem nützt es? Denn was das bedeutet, wo die Falle liegt, weiß man erst, wenn man selbst längst so tief verstrickt ist, dass auch eine noch so lange Rezension nicht mehr helfen kann. Denn "House of Leaves" ist ein Buch über das Lesen selbst, es erzählt von ebenden Erfahrungen, die der Leser macht, während er die Hauptfiguren bei ihrem Gang durch das Labyrinth begleitet. Am Ende wird er sich ebenso wie sie hoffnungslos darin verirrt haben und dennoch davon überzeugt sein, den Ausgang, die Lösung, die letzte Bedeutung finden zu können - wenn er nur noch gründlicher, noch tiefer sucht.Natürlich, denn sonst würde man sich ja gar nicht darauf einlassen, ist dieses Buch noch vieles andere: Wenn David Foster Wallace mit "Infinite Jest" (1996) den letzten großen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben hat, dann Danielewski den ersten des einundzwanzigsten. "House of Leaves", im amerikanischen Original 2000 erschienen, ist Familienroman, Horrorthriller, Literaturwissenschaftssatire, kulturhistorischer Essay, Junkie-Story, Mythenspiel, Ehedrama, Erzählexperiment, Snuff-Gewaltporno und zugleich die ironische Reflexion all dessen: ein metafiktionaler, postmoderner Hypertextroman, der all die Computer-, Netz- und Rhizom-Metaphern einlösen will, von der die Literaturtheorie der letzten Jahrzehnte immer nur träumte. Ein Jahrhundertroman also. Und ein Haus. Doch dazu später.

          Die innerste Schicht dieses Erzähluniversums ist ein Film, genannt "The Navidson Record". Darin schildert der Fotoreporter und Pulitzer-Preisträger Will Navidson die mysteriösen, grauenhaften Geschehnisse in seinem Häuschen in Virginia, in das er mit seiner Frau Karen und den beiden kleinen Kindern neu eingezogen ist. Zunächst ergeben sich nur einige winzige Unstimmigkeiten beim genauen Vermessen der Innen- und Außenwände. Doch dann findet sich eine vorher nicht vorhandene Tür in einen finsteren, offenbar ins Nichts führenden Flur. Dessen Ausmaße erweisen sich bei näherer Untersuchung als unendlich; vor allem aber scheinen sich die labyrinthisch verschlungenen Wände, Gänge, Treppen und Höhlen ständig zu verschieben und zu verzerren, so dass ein Betreten schon nach wenigen Schritten zu einem lebensgefährlichen Abenteuer wird.

          Farmville in Virginia
          Farmville in Virginia : Bild: AP

          Alles ist Text, die Wirklichkeit löst sich im Diskurs auf

          Navidson organisiert ein erfahrenes, optimal, weil auch mit Kameras ausgerüstetes Forschungsteam, das systematisch und in mehreren Anläufen immer tiefer in die Unterwelt vordringt, bis die letzte Expedition in einem grausigen, tödlichen Fiasko endet. Dennoch fühlt sich Navidson vom Geheimnis seines Hauses auf beinahe magische Weise angezogen und setzt seine Erkundung, die zugleich ein avantgardistisches Filmexperiment ist, auch nach der Katastrophe und dem bitteren Zerfall seiner Familie weiter fort: Ein Albtraum wird zum Dokudrama nach dem Vorbild des Cinéma vérité. Das künstlerische Resultat, dem Genre nach ein autobiographischer Horrorthriller, wird allerdings von Beginn an nicht unmittelbar, sondern in Form einer fußnotengespickten filmwissenschaftlichen Abhandlung präsentiert, an der ein schrulliger Greis namens Zampanò bis zu seinem Tod in einer verwahrlosten Wohnung geschrieben hat. In dessen Nachlass entdeckt der hyperaktive, von Neurosen geplagte Junkie Johnny Truant das ungeordnete Manuskript und arbeitet, zunehmend besessen, an einer kommentierten Edition.

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