https://www.faz.net/-gr3-wilu

Vereinigte Staaten - New Orleans : Paula Fox: „Der Gott der Alpträume“

  • Aktualisiert am

Pub in der Uptown von New Orleans Bild: dpa

Ihr Vater war Drehbuchautor in Hollywood, ein Mann also, der sich im Schreiben von Szenen und Dialogen auskannte. Im Hause eines Mannes der Zunft aufzuwachsen - was hätte sich eine künftige Schriftstellerin Besseres wünschen können?

          Ihr Vater war Drehbuchautor in Hollywood, ein Mann also, der sich im Schreiben von Szenen und Dialogen auskannte. Im Hause eines Mannes der Zunft aufzuwachsen - was hätte sich eine künftige Schriftstellerin Besseres wünschen können? Aber den ruhelosen Eltern war sie eine Last; sie legten, wie es in den Kindheits- und Jugenderinnerungen ("In fremden Kleidern", deutsch 2003) nachzulesen ist, Paula Fox gleich nach ihrer Geburt in New York einem Waisenhaus in die Wiege, woraus erst ihre Großmutter sie befreite. Auch später lösten die Eltern ihre Probleme, indem sie das Mädchen hin- und herschoben, zwischen Orten im Lande, in Kuba oder Kanada.Es gehörte schon ein hohes Maß an Phantasie dazu, sich von den Albträumen solcher Kindheit durch Kinder- und Jugendbücher zu befreien. Sie sind denn auch reich mit Preisen bedacht worden. Aber obwohl eine Zeitlang aus dem Rampenlicht der Öffentlichkeit weggetaucht, erwarb Paula Fox ihren eigentlichen Ruhm durch ein Romanwerk von Rang.

          Seit ihrer Wiederentdeckung, zu der Jonathan Frantzen mit viel Vehemenz beigetragen hat, gelten ihre Romane als "Klassiker" der amerikanischen Gegenwartsliteratur (F.A.Z. vom 22. April 2003). Und liest man in ihrem Interview für die F.A.Z. (3. März 2006), dass die Manuskripte zwei ihrer bekanntesten Romane dreizehn oder gar siebzehn Verlage anlaufen mussten, ehe sie ankern konnten, so fragt man sich, ob an den Lektoratstischen literarische Analphabeten gesessen haben.Wahr ist allerdings, dass sich die Romane nicht durch Selbstwerbung einführen. Paula Fox fängt ihre Leser nicht mit einem Köder, der wilde Verwicklungen verspricht. Zögernd setzt sich die Handlung in Bewegung, bevor die Erzählerin in die höheren Gänge schaltet.

          Überhaupt ist sie eine Erzählerin des Unspektakulären. Auch ein Mord wird nicht zu einer Sensation, zu einem aufregenden "Event" dramatisiert. Selbst zu ihren Hauptfiguren wahrt sie eine äußerlich kühle, wenn auch von großer Verständnisbereitschaft durchwärmte Distanz.Im Roman "Der Gott der Alpträume" liegt das schmerzlichste Familienereignis für die Ich-Erzählerin Helen und deren Mutter am Anfang schon dreizehn Jahre zurück. Damals hat der Vater Frau und Tochter und seinen Besitz in einem kleinen Ort des Staates New York plötzlich verlassen, um mit einer anderen Frau in einem Blockhaus an der nordkalifornischen Küste zu leben. Nun, im Vorfrühling des Jahres 1941, erhalten sie die Nachricht von seinem Tod. Ein Pferdenarr war der Vater gewesen. Hinterlassen hat er ein wirtschaftlich ruiniertes Gestüt mit Koppel und kurzer Rennbahn. Aus der Notlage hatte der Großvater mit einem vorgezogenen Erbe geholfen, das er der Verlassenen und ihrer Schwester Lulu auszahlte. Beide Schwestern waren einst als Revuegirls aufgetreten, Lulu auch als gefeierte Schauspielerin. Sie lebt nun in New Orleans, es steht mit ihr nicht zum Besten. Helen soll sie aufsuchen, um sie in den Norden zurückzuholen.

          New Orleans am Mississippi

          Seismographische Psychologie

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Fed-Präsident Jerome Powell : Donald Trump und sein Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.
          Der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche wird Aufsichtsrat bei Aldi Süd. Das liegt auch an seiner Freundschaft zum ehemaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht.

          Ehemaliger Daimler-Chef : Zetsche geht zu Aldi Süd

          Nach dem Ende seiner Karriere bei Daimler hat Zetsche einen Posten bei Aldi Süd übernommen. Wie die F.A.Z. erfahren hat, ist er schon seit Juni im Beirat des Discounters. Das hängt mit einer Männerfreundschaft zusammen.

          Sherpas Hecker und Röller : Das sind Merkels G-7-Helfer

          Am Samstag beginnt der G-7-Gipfel in Frankreich. Jan Hecker und Lars-Hendrik Röller haben die meiste Arbeit dann hinter sich: Sie bereiten die Kanzlerin auf das Treffen vor. Doch wer sind Merkels wichtigste Berater?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.