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Uwe Tellkamps neuer Roman : Was ist um dieses Buch gerätselt worden!

„Man muß sich vor die Schreibmaschine setzen oder das Blatt Papier mit Handschrift bedecken, dann baut man sich hier eine Bleibe“: Fabian Hoffmann, Erzähler in Uwe Tellkamps neuem Roman, kennt die Stilisierungen des Rückwärtsgewandten für die Geheimarbeit der Meinungsbildung, wie sie seine Behörde betreibt. Bild: Heike Steinweg/Laif

Nach jahrelangem Warten und unzähligen Gerüchten erscheint nun Uwe Tellkamps neuer Roman. In „Der Schlaf in den Uhren“ finden sich die Figuren aus „Der Turm“ in einer anderen Welt wieder, die ihnen aber unheimlich vertraut ist.

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          Was ist um dieses Buch gerungen worden! Vom Autor, natürlich. Dessen ursprünglicher Abgabetermin für das Manuskript lag im Mai 2013. Aber auch vom Publikum, von der Kritik, vom Verlag. Der wollte es gar nicht mehr, wurde vor zwei Jahren behauptet. Schön dumm wäre er gewesen, denn es handelt sich bei dem Buch um die Fortschreibung des Romans „Der Turm“. Darum erwartete das Publikum es ja so neugierig. „Der Turm“, 2008 erschienen, war ein Sensationserfolg, millionenfach verkauft, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, mehrfach für die Bühne bearbeitet, selbstverständlich verfilmt. Und dann ist da noch etwas: Sein Autor, Uwe Tellkamp, ist in den letzten Jahren zur höchst umstrittenen Persönlichkeit geworden. Darum arbeitete sich die Kritik bereits am Inhalt des neuen Buchs ab, als es noch gar nichts zu lesen gab. Jetzt ist es endlich da. Es heißt „Der Schlaf in den Uhren“ (Suhrkamp, 32 Euro).

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Und was ist um dieses Buch gerätselt worden! Wie würde es heißen? Wer würde darin erzählen? Wann würde es spielen? Würde es wieder so umfangreich sein wie „Der Turm“ mit seinen fast tausend Seiten? Warum „Fortschreibung“ (Tellkamps eigener Begriff) und nicht „Fortsetzung“? Das alles war allerdings vom Autor längst beantwortet worden, vor zehn Jahren in der F.A.Z.: Der Erzähler ist Fabian Hoffmann, eine Figur aus „Der Turm“, die dort als Cousin der Hauptperson nur drei, vier Mal erwähnt wird. Aber dieser Fabian stand am Beginn des ganzen Schreibprojekts, denn er war bereits Erzähler in jenem kurzen Text, mit dem Tellkamp 2004 den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewonnen hatte: „Der Schlaf in den Uhren“. So heißt ja nun auch der neue Roman, und das alte Prosastück ist mit hineingearbeitet worden, nach fast zweihundert Seiten, und just in diesem Moment nimmt nicht nur die Dresdner Straßenbahnlinie 11, in der diese Episode spielt, ihre Fahrt auf, sondern das Erzählen selbst, denn nach einem eher mühseligen Beginn ist Tellkamp da plötzlich wieder ganz bei sich.

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