https://www.faz.net/-gr3-rhww

: Tiefe Stürze

  • Aktualisiert am

DER SPEZIALIST für die literarisch mangelhafte Umsetzung hochspannender Themen hat dieses Mal wirklich Pech gehabt: "Die Möglichkeit einer Insel" ist nicht nur gewohnt schlecht geschrieben, sondern muß auch noch mit einem wahren Meisterwerk konkurrieren. Wie Kazuo Ishiguros Roman "Alles, was wir geben mußten" handelt der neue Houellebecq vom Klonen.

          DER SPEZIALIST für die literarisch mangelhafte Umsetzung hochspannender Themen hat dieses Mal wirklich Pech gehabt: "Die Möglichkeit einer Insel" ist nicht nur gewohnt schlecht geschrieben, sondern muß auch noch mit einem wahren Meisterwerk konkurrieren. Wie Kazuo Ishiguros Roman "Alles, was wir geben mußten" handelt der neue Houellebecq vom Klonen. Der Vergleich zeigt, was keines vierhundertseitigen Beweises bedurft hätte: Nur große Autoren machen aus großen Stoffen große Bücher. Wie das französische Enfant terrible hat auch der deutsche, mit Klagenfurter Vorschußlorbeer überhäufte Debütant Uwe Tellkamp Spaß an der Provokation. In diesem Fall liegt das wahre Vergnügen aber darin, sich nicht provozieren zu lassen. Daß auch weitaus bessere Autoren als Houellebecq scheitern können, zeigt der jüngste Roman Christoph Heins über den brisanten Fall des RAF-Terroristen Wolfgang Grams: vom Autor schnell und ohne Sorgfalt geschrieben, vom Lektor schnell und ohne Sorgfalt gelesen. So entstand ein Buch, das den Leser wirklich ärgert. Nicht nur, weil es schlecht ist, sondern mehr noch, weil Hein im Grunde der richtige Autor für diesen Stoff war: Phantomschmerz des verpaßten Meisterwerks.

          igl.

          Weitere Themen

          Literarische Triebabfuhr

          Roman von Corinna T. Sievers : Literarische Triebabfuhr

          Corinna T. Sievers hat einen Roman über eine nymphomane Zahnärztin geschrieben. „Vor der Flut“ soll provozieren, schlingert aber nur zwischen Geschmacklosigkeit und unfreiwilliger Komik durch die Feuchtgebiete der Genreliteratur.

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.