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Tessa Hadleys „Zwei und zwei“ : Quartett-Spiel mit Nebenfiguren

Kam spät zum eigenen literarischen Schreiben: Tessa Hadley. Bild: Piper Verlag/Mark Vessey

Viel wissen, nichts verzerren und berückend erzählen: In Tessa Hadleys Roman „Zwei und zwei“ kreuzen sich die Wege von vier Menschen.

          4 Min.

          Da sind zwei Paare, die sich lange Zeit schon kennen. Die Männer begegneten sich in der Studienzeit, die Frauen waren seit der Kindheit Freundinnen. Es sind vier Menschen, die in ihren Temperamenten nicht unterschiedlicher sein könnten. Der neue Roman der englischen Autorin Tessa Hadley, 2019 im Original als „Late in the Day“ in Großbritannien erschienen, erzählt aus deren Leben über drei Jahrzehnte hinweg. Inzwischen sind sie alle in der Mitte ihrer Fünfziger. Es ist eines dieser Bücher, von denen man nicht lassen kann, man liest weiter, geht ein Stück Wegs mit diesen Fremden, die immer vertrauter werden.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Da ist Alex, dessen Eltern aus Polen nach London kamen, dem Vater blieb die Anerkennung als Schriftsteller versagt. Alex’ erste Ehe, die er wegen des Sohnes Sandy geschlossen hat, scheitert. Eine düstere Seite beherrscht ihn, der selbst frustriert als Dichter ist; als Lehrer an einer Grundschule hat er eine Aufgabe gefunden. Und da ist Zachary, sein ungleicher Freund aus Studienzeiten, liebenswert und stets auf Ausgleich bedacht, ein wenig pompös, großzügig nicht nur, weil er es sich leisten kann; er führt erfolgreich eine Galerie in London. Da ist Christine, die aus gutbürgerlichen Verhältnissen kommt, strebsam in ihrem Studium, nach außen hin kühl und diszipliniert; sie arbeitet für sich als Künstlerin ohne nennenswerten Erfolg, aus innerer Notwendigkeit. Und da ist Lydia, deren Eltern einen Pub betreiben. Lydia ist sinnlich und attraktiv, eine unberechenbare Dramaqueen, für Konzentration und verantwortliches Handeln nicht gemacht.

          Freunde, in einem prekären Gleichgewicht

          Lydia war in den frühen Jahren versessen auf den komplizierten Alex, ohne Erfolg. Christine und der flamboyante Zachary waren ein einander freundlich zugewandtes Pärchen. Doch es sollte anders kommen. Christine und Alex finden zueinander, sie haben die gemeinsame strebsame Tochter Isobel. Dafür steigt Lydia in den Luxus ein, den Zachary ihr bieten kann, sie haben die eigenwillige Tochter Grace, die Bildhauerei in Glasgow studiert. Die beiden Paare bleiben über all die Jahre hin Freunde, in einem prekären Gleichgewicht, das sie in gemeinsamen Unternehmungen und Reisen immer wieder zu untermauern suchen.

          Am Beginn des Romans steht eine Katastrophe, die das zerbrechliche Arrangement – „Zwei und zwei“, so der deutsche Titel – neu aufmischt. Das ganze Konstrukt kommt ins Wanken. „Sie hörten Musik, als das Telefon klingelte“, lautet der erste Satz des Romans. Christine lauscht der Musik, Alex liegt auf dem Sofa. Christine nimmt ab, Lydia ruft aus einem Krankenhaus an, wirr genug, Zachary hatte eine Herzattacke. Endlich sagt Lydia: „Warum hörst du nicht zu, Christine? Ich sage doch, er ist tot.“ Das hatte sie vorher nicht gesagt. Christine und Alex nehmen Lydia in ihrer bescheidenen Wohnung auf, weil sie es daheim allein nicht aushält. Dort wird Lydia, ein paar Seiten weiter, Christine ihren „Schmerz“ bekennen, aber auch: „Dir muss ich die Wahrheit sagen, sonst niemandem. Anders kann ich es nicht ertragen. Du weißt, dass es keine Liebe ist, nicht wahr?“

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