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Stephen King: Doctor Sleep : Shine und Zeit

Bild: Scribner Books

Signaturen der Seele: Stephen King hat mit „Doctor Sleep“ eine eigenwillige Fortsetzung von „The Shining“ geschrieben. Jetzt erscheint das englische Original.

          Solche Bücher werden normalerweise nicht in der „New York Times Book Review“ besprochen. Falls doch, macht das nicht eine angesehene Schriftstellerin wie Margaret Atwood. Und falls sie es doch macht, fällt die Besprechung kaum je lobend aus. „Doctor Sleep“ von Stephen King, gerade in Amerika erschienen, auf Deutsch schon für Ende Oktober angekündigt, ist Horror – die in solchen Sachen gängige Werbung dürfte sogar straflos behaupten: Horror pur. Denn der Roman leistet sich keinen der Vorwände und keine der Ausreden, die als Dämpfer der Berührungangst mit dem Genre in den selbsterkorenen besseren Kreisen des Literaturlebens im Gebrauch sind. Die blutige Gattung wird nicht ironisiert noch parodiert, auf mehr als fünfhundert Seiten nirgends gelehrt historisiert oder metagrimassierend diskutiert.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Dies ist ein Buch, in dem auf Seitefünf eine verwesende, aufgeschwemmte, schleimige Verstorbene auf einer Toilette erscheint und ihre schlechtgewordenen Reize zeigt. Dies ist ein Buch, in dem ein Kind, das gefoltert wird, flüsternd darum bittet, getötet zu werden. Dies ist ein Buch, das mit einer Sterbeszene endet, deren Melancholie direkt an die düster moralisierenden Schlusswendungen der alten Gruselcomics aus dem Verlag EC anschließt. Dies ist ein sehr gutes Buch.

          Auf Jagd nach den Kinder mit dem „Shining“

          Das sieht auch Margaret Atwood in der „New York Times Book Review“ so. Man müsste es wunderlich finden, wüsste man von dem Roman nichts als seine Handlung: Eine Gruppe harmlos gekleideter, aber sehr böser Leute, die einander mit bunten und kauzigen Namen anreden – Grampa Flick, Diesel Doug, Steamhead Steve – fährt in einer Flotte ebenso spießiger wie teurer Wohnmobile quer durch Amerika und tötet Kinder mit übersinnlichen Fähigkeiten – Kinder, die das zweite Gesicht haben oder Gegenstände mit ihrem Willen bewegen können oder Gedanken lesen. Die Bande hat es auf diese Kinder abgesehen, weil deren merkwürdige Talente – sie heißen hier, wie früher in einem anderen King-Buch, „Shining“ – die Signatur einer besonderen Sorte Seele sind, von der sich die fahrenden Kleinbürger in ihrer beweglichen Vorstadt des Grauens ernähren.

          Ein junges Mädchen schwebt in besonderer Gefahr: Bei kaum einem Menschen ist jenes „Shining“ intensiver als bei Abra (wie in „Cadabra“). Schutz und Hilfe darf das Kind einzig von einem müden, in einem Hospiz als inoffizieller Sterbebegleiter beschäftigten, seit ein paar Jahren mühevoll trockenen Alkoholiker erwarten. Der denkt sich einen Plan aus, bei dem man natürlich, auch wenn es um Kindesmissbrauch, Serienmord und andere schwere Straftaten geht, nicht die Hilfe der Behörden in Anspruch nimmt, sondern auf eigene Faust vorgeht, unterstützt von einem Kinderarzt, einem verwirrten Vater und einem klapprigen alten Mann. Das gefährdete Mädchen wird als Lockvogel eingesetzt, um Leute zu fangen, die extrem langlebig und jedenfalls gefährlicher sind als Marc Dutroux und Hannibal Lecter zusammen, das wahre und das erfundene Grauen unserer schlimmen Gegenwart also.

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