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Roman „Der Geschichtenhändler“ : Als in Syrien noch Frieden herrschte

  • -Aktualisiert am

Syrischer Alltag vor dem Krieg: Szene im Innenhof der Omaijaden-Moschee in Damaskus, 2006. Bild: Max Galli/laif

Der polnische Autor Stanisław Strasburger ist ein Kenner des Nahen Ostens. In seinem Roman „Der Geschichtenhändler“ nimmt er die Rolle eines orientalischen Erzählers ein. Fürs Fabulieren aber muss man geboren sein.

          Er heißt Stanisław Strasburger, manchmal nennt er sich auch Jan Subart oder Jonasz Ryba. Er lebt teils in seiner Geburtsstadt Warschau, teils in Köln und Beirut. Und er ist studierter Philosoph, Kunsthistoriker, Psychologe und Orientalist, arbeitet als Schriftsteller, Journalist, Pädagoge und Kulturmanager. Wer so viele Namen, Wohnorte und Berufe hat, der muss einfach Themen wie Migration und multikulturelle Identität faszinierend finden. Was in Stanisław Strasburgers Fall dabei auffällt, ist die Energie, mit der er versucht, andere mit seiner Faszination anzustecken, etwa indem er Projekte entwickelt, die dem Dialog zwischen der europäischen und der arabischen Kultur dienen sollen. So leitete der heute Dreiundvierzigjährige für mehrere Jahre das Residenzprogramm „Kunst und Dokument – Köln-Beirut“, und der Vertrag über die kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten geht angeblich auch auf seine Initiative zurück.

          Als einen weiteren Ansteckungsversuch sollte man wohl seinen Roman „Der Geschichtenhändler“ verstehen. Er erschien auf Polnisch schon im Jahre 2009, war also in einer Zeit entstanden, als es den Konflikt in Syrien noch nicht gab und das Leben dort ganz anders aussah. So konnte sich der damals vierunddreißigjährige Autor, der längere Zeit in Syrien, aber auch im Libanon und in Jordanien verbracht hatte, ein umfangreiches und vielschichtiges Wissen über die Region erwerben, in den normalen Alltag der Menschen dort eintauchen, sich ihre Sprache aneignen, den Umgang mit ihrer Mentalität erlernen. Aber Stanisław Strasburger musste auch die vielen Grenzen und Herausforderungen erfahren, auf die jemand stößt, der aus einem völlig anderen Kulturkreis kommt.

          Ein literarisches Experiment, dem der Zauber fehlt

          All das ist in die Handlung seines Romans eingeflossen, soweit man in diesem Fall überhaupt von einer Handlung sprechen kann. Denn das Einzige, was der Leser mit Sicherheit weiß, ist, dass es um einen jungen polnischen Geophysiker namens Mirek geht, der nach Syrien gekommen ist, um in der Wüste nach Gas zu suchen. Und dass Mirek irgendwann, von der Arbeit angeödet und von der neuen Umgebung fasziniert, seinen Job hinschmeißt, um in der Gegend für unbestimmte Zeit zu bleiben. Von nun an lebt er in Aleppo, Damaskus und Akaba, lässt sich auf die Einheimischen so weit ein wie nur möglich, schließt Freundschaften und verliebt sich in ein arabisches Mädchen.

          So könnte man in Kürze seine Geschichte zusammenfassen, wäre man sicher, dass all diese Dinge, von denen die Rede ist, wirklich einer und derselben Person zustoßen. Das Schwierige an diesem Roman ist aber, dass der Erzähler ständig einen anderen Namen trägt, Mirek, Jan, Kerim, und dass das Erzählte eine Folge von Geschichten ist, zwischen denen nur selten ein Zusammenhang besteht und in denen sich Realität mit Fiktion und Beobachtungen mit Träumen und Erinnerungen vermischen.

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