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: Seine Geschichte hat uns berührt

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"Dieses geniale Buch eines Schriftstellers sollte in den Schulen gelesen werden", schrieb der Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld über Marcel Reich-Ranickis Autobiographie. Aus Anlaß der jetzt erschienenen Schulbuchausgabe von "Mein Leben" haben wir Schüler der Wiesbadener Humboldt-Schule gebeten, ihre Lektüreeindrücke aufzuschreiben.

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          "Dieses geniale Buch eines Schriftstellers sollte in den Schulen gelesen werden", schrieb der Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld über Marcel Reich-Ranickis Autobiographie. Aus Anlaß der jetzt erschienenen Schulbuchausgabe von "Mein Leben" haben wir Schüler der Wiesbadener Humboldt-Schule gebeten, ihre Lektüreeindrücke aufzuschreiben. Ihre Texte vermitteln ein Bild dessen, was diese Jahrhunderterinnerungen gerade der jüngsten Lesergeneration vermitteln: Erschütterung über ein jüdisches Schicksal im "Dritten Reich", Begeisterung über die befreiende Kraft von Literatur und Musik sowie Respekt für ein Buch, in dem Marcel Reich-Ranicki nicht nur seine eigene Lebensgeschichte, sondern auch "die schreckliche Vergangenheit Deutschlands für die kommenden Generationen festgehalten" hat. F.A.Z. Marcel Reich-Ranicki beschreibt im dritten Teil seines Buchs, wie er kurz nach dem Krieg durch Berlin geht und nach seiner "verlorenen Jugend, der herrlichen und der schrecklichen", sucht und letztendlich vor dem zerstörten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt stehenbleibt. Ihn überkommen Gefühle, über die er keine Kontrolle hat. In dem zerstörten Schauspielhaus, das für ihn den Mittelpunkt seines Lebens als Gymnasiast gebildet hatte, in den Ruinen des einst so prunkvollen Gebäudes sieht Marcel Reich-Ranicki auch seine Jugend wieder. Er ist in diesem Augenblick so gerührt, daß er anfängt zu weinen. Doch er versucht sich zu fassen und eilt in Richtung Bahnhof Friedrichstraße, als ob er sich "von der Sentimentalität" zu befreien suchte.

          Auch wenn Marcel Reich-Ranicki seinen Gefühlen zu entfliehen versucht, kommt beim Leser, oder zumindest bei mir, das Gefühl auf, daß die Wiederbegegnung mit seiner Jugend ihn noch weit mehr berührte, als er es in seinem Buch zugibt. Dieser Abschnitt zeigt Marcel Reich-Ranicki von einer bisher unbekannten Seite, einer verletzlichen, emotionalen Seite - Wesenszüge, die ihn sympathischer und menschlicher erscheinen lassen. Dieses Buch ist meiner Meinung nach jedem zu empfehlen, besonders jenen, die mehr über den Menschen Marcel Reich-Ranicki erfahren wollen.

          Jennifer Bub, Klasse 12a.

          Zwischen Tod, Hunger und endloser Demütigung gibt es eine "kleine Blume", die trotz alledem ihre Blüte nicht verliert. Die Rede ist von der Liebe und Leidenschaft zur Poesie und der Musik, die Marcel Reich-Ranicki in dem mir am meisten imponierenden Kapitel in seiner Autobiographie "Mein Leben" beschreibt: "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist".

          Dieses Kapitel ist ein Beispiel dafür, wie sich die Menschen das triste und schwierige Leben im Warschauer Ghetto ein wenig erträglicher machten. Musik wird erfahren als eine Weltsprache, die die Leidenschaft und Hingabe besitzt, Gefühle und Gedanken zu bündeln und zu vereinen.

          Marcel Reich-Ranicki beschreibt seine Leidenschaft zur Musik mit den folgenden Sätzen: "Aber da gab es etwas, was auf uns noch stärker und noch tiefer wirkte als die Poesie, was uns bis ins Innerste aufwühlte, was uns berauschte. Es war die Musik."

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